So macht das Spiel Vorschulkinder fit für die Schule

Vor Kurzem habe ich aufgezeigt, wie die Portfolio-Methode Kindern bei ihrem Übergang von der Kindertagesstätte zur Schule helfen kann. Dabei stand die Stärkung der Selbstkompetenz des Kindes im Fokus. In diesem Beitrag zeige ich auf, wie durch Spielen die Selbstkompetenz und noch weitere Kompetenzen gestärkt werden können.

Zunächst ist einmal interessant zu erfahren, wann ein Kind als kompetent angesehen wird. Und zwar ist dies der Fall, wenn es seine Erfahrungen selbst macht und wenn es sich auf seine ganz individuelle Art und Weise die Welt aneignet.

 

Doch wie eignen sich Kinder die Welt an?

Kinder wollen ihre Umwelt und Dinge nicht einfach nur erfassen, sondern diese auch begreifen. Sie beschäftigen sich intensiv mit allem, was ihnen begegnet. Das Besondere daran ist, dass sie mit der Auseinandersetzung keinen Zweck verfolgen.

Das kindliche Lernen ist keine gezielte Ansammlung von Wissen. Kinder sammeln Erfahrungen und lassen sich dabei stets von ihren Interessen leiten.

Die gesamte Umwelt und die Handlungsmöglichkeiten werden erforscht. Die Kinder loten Grenzen aus und erschließen sich somit ihre Welt. Hier werden auch Informationen verarbeitet, die die Kinder im Austausch, in der Interaktion mit anderen Kindern, den Erziehern und ihren Bezugspersonen machen. Es ist ein spielerisches Erforschen der Umwelt.

 

Zitat-Friedrich-Fröbel

 

Was ist das kindliche Spiel?

Im Spiel vollziehen die Kinder alleine und gemeinsam Handlungen, die sie auf vielen Ebenen fordern. Dabei meint Spiel nicht nur das freie Spiel der Kinder, sondern kann auch Bau-, Schatten- oder Bewegungsspiele meinen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Jedes Spiel umfasst im weitesten Sinne ein Problem, das es zu lösen gilt, bzw. einen Gesichtspunkt, mit dem sich die Spielenden auseinandersetzen. Das muss jedoch nicht bedeuteten, dass sich Kinder im Spiel immerzu großen, neuen Herausforderungen gegenübergestellt sehen.

Ein Spiel besteht auch aus Wiederholungen. Wiederholungen im Spielmuster, Wiederholungen der Handlungen oder Wiederholungen der Charaktere. Indem Kinder auf gewohnte Strukturen zurückgreifen, spüren sie bewusst ihr eigenes Können. Sie merken, dass sie in ihrem Tun immer sicherer werden.

Dies führt zum einen dazu, dass sie aus diesen sicheren und gewohnten Mustern Kraft und Selbstbewusstsein schöpfen. Zum anderen werten sie das eigene Können als ein positives Erlebnis, was dazu führt, dass sie ihre Fähigkeiten immer weiter ausbauen wollen.
Gerade diese Mischung aus Altvertrauten und neuen Erfahrungen macht für die Kinder den Reiz am Spiel aus.

 
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Im gemeinsamen Spiel werden diese Bedeutungen immer wieder neu ausgehandelt und zusammengeführt. Die kognitive Leistung, die Kinder tagtäglich im Spiel vollbringen, wird hier sehr deutlich.

 

Spielen bedeutet Lernen – und Lernen bedeutet Spielen!

Ein Spiel besteht aus der Aneinanderreihung verschiedenster Reize. Das Kind lernt, diese neuen Reize einzuordnen.

 

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Im Spiel mit anderen sieht sich das Kind stets Aushandlungs- und Austauschprozessen gegenübergestellt. Um ein gemeinsames ein Spiel zu spielen, müssen die Kinder miteinander kommunizieren und sich verständigen. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist das kindliche Rollenspiel. Vor Beginn des Spiels existieren bereits bei den Kindern erste Vorstellungen über Inhalt und Spielform. Nicht selten finden anfangs bei der Rollenverteilung Aushandlungsprozesse statt, bis jeder seine Rolle gefunden hat.

Im Rollenspiel lernt das Kind, sich in einen Spielcharakter hineinzuversetzen. Es hat eine Vorstellung davon, wie seine Rolle reagieren muss, welche Handlungen sein Charakter ausführen würde und welche Äußerungen von der Rolle ausgehen. Dabei orientiert sich das Kind an seiner Umwelt und schaut, welche Verhaltensweisen dort an den Tag gelegt werden. Nimmt das Kind beispielsweise für das Spiel die Mutterrolle ein, denkt es an seine eigene Mutter und überträgt deren Handlungen in das Spiel. Sieht das Kind die Mutter oft am Telefon, so baut das Kind nicht selten in das eigene Spiel ein Telefonat ein. Auch bestimmte Wortphrasen und Gesten der Mutter werden dabei auf die eigene Rolle übertragen und in das Spiel eingebunden.

Diese Art des Spielens ist sehr wertvoll. Das Kind erbringt Transferleistungen, es überträgt das Verhalten der realen Welt in die Welt des Spielens.

Zitat-Donald-Winnicott

Im Spiel selbst werden die anfänglichen Vorstellungen konkreter, sie werden umgeformt und neu gedacht. Kinder korrigieren sich im Spiel gegenseitig, um eine gemeinsame Handlung beizubehalten. Dabei bietet das Spiel Platz für Überraschungsmomente und es gilt, situativ auf Ereignisse zu reagieren.

Dies befähigt das logische Denken, das Denken in Zusammenhängen.

 

Erfolgserlebnisse im Spiel

Umso länger man das kindliche Spiel betrachtet, umso mehr zeigen sich die enormen Potenziale, die in der Spieltätigkeit liegen.

So stärkt der kommunikative Aspekt im Rollenspiel nicht nur das soziale Miteinander. Ganz nebenbei vergrößert sich auch der Wortschatz stetig. Zudem verbessert sich die Artikulation, da jedes Kind von den anderen Kindern verstanden werden möchte, um weiter am Spiel teilnehmen und die eigenen Vorstellungen einbringen zu können.

Neben den kommunikativen Kompetenzen werden auch die motorischen Kompetenzen gestärkt. Das Kind bewegt sich im Spiel und formt seine körperbezogenen Fähigkeiten immer weiter aus. Dies hilft, um sich selbst und seine Fähigkeiten Stück für Stück besser kennenzulernen. Zudem erfährt das Kind, wie es seine Bewegungen und Handlungen bewusst steuern kann.

 

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Gerade in der Phase des Übergangs zum Schulkind sind Erfolgserlebnisse essentiell. Es ist wichtig, dass sie viele positive Erlebnisse sammeln können, um daran zu wachsen und an Sicherheit zu gewinnen. In der Schule ist das Kind auf einen Schlag mit neuen Eindrücken konfrontiert, es wird aus seiner gewohnten Umgebung herausgeholt und muss sich in neuen Konstellationen, mit fremden Lehrern und Mitschülern beweisen und seinen Platz in der Gruppe suchen. Durch die Stärkung, die das Kind schon in der Kita erlangt, ist es bereit, sich auch in diesem neuen Rahmen auszuprobieren und sich selbst etwas Neues zuzutrauen.

Es muss uns bewusst sein: Spielen und Lernen lassen sich nicht voneinander trennen. In jedem Spiel erweitern die Kinder ihre Kompetenzen und das in sämtlichen Dimensionen!

 
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Ein Gedanke zu „So macht das Spiel Vorschulkinder fit für die Schule

  1. Das spielerische Element wird beim Lernen vielfach unterschätzt. im Kindergarten wird es zwar gelehrt, ich weiß das, weil meine Mutter dort arbeitet, aber später im Beruf oder im Studium vertraut man nicht mehr darauf, was ein Fehler ist.

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