Portfolioarbeit in der Kita – was genau macht man da eigentlich?

Die Portfolioarbeit ist eine beliebte Methode, um die Entwicklung der Kinder zu dokumentieren. In vielen Bildungsplänen, Leit- und Richtlinien wird sie den pädagogischen Fachkräften empfohlen. Doch was genau bedeutet nun eigentlich Portfolioarbeit in der Kita?

Der Portfolioarbeit auf der Spur

Wenn ich persönlich etwas wissen möchte, ist mein erster Ansatz meist, einfach einmal im Internet danach zu recherchieren. Und so stelle ich mir auch vor, dass viele Pädagogen auf der Suche nach Impulsen zunächst das Internet bemühen. Daher möchte ich einmal wissen, was ihnen dann geboten wird. Gesagt, getan: Ich tippe in die Suchmaschine die Stichwörter „Portfolio“ und „Kita“: 586.000 Ergebnisse. Ganz schön viel! Vielleicht komme ich mit „Portfolioarbeit“ weiter? Das Resultat: Hier sind es immerhin „nur“ noch 96.900 Ergebnisse.

Was dabei besonders auffällt: Der Großteil alles Ergebnisse sind Druckvorlagen, die mir angeboten werden. Daneben gibt es mehrere Artikel zur Portfolioarbeit. Einige davon mit interessanten Impulsen (z.B. „Mit Portfolios Eindruck machen“ von Prof. Dr. Helen Knauf).  

Was mir bei einigen Suchergebnissen auffällt: Oftmals wird in den Artikeln nur ein Ansatz oder eine Perspektive erläutert. Also vielleicht dort erst einmal zurück zum Ausgangspunkt, zu einer Definition von Portfolio im frühpädagogischen Kontext:

was-ist-Kita-Portfolio

Nachdem die Grundlage geklärt wurde, schaue ich mir weiter die Ergebnisse an. In vielen Artikeln ist die Rede vom „Portfolio des Kindes“.

Portfolio des Kindes

Was bedeutet das? Dieser Punkt ist ganz entscheidend. Denn hier wird das Kind als wichtige Instanz wahrgenommen. Das Kind entscheidet, was in sein Portfolio einfließt und wer Zugang zu diesem erhalten darf. Somit wird das Kind in den Mittelpunkt der Portfolioarbeit gerückt.

Spricht man von „Portfolioarbeit in der Kita“, so werden die meisten zunächst einen Ordner im Kopf haben. Dieser bietet sich sicherlich hervorragend an, um die Werke des Kindes abzuheften und die Dokumentation der Entwicklungsschritte über Fotos und Text abzubilden.

Portfolioeintrag

Doch als pädagogische Fachkraft sollte man sich bewusst darüber sein, dass es sich bei diesen Portfolioordnern um eine Möglichkeit handelt, die Interessen des Kindes festzuhalten. Ebenso kann man Interessen des Kindes auch beispielsweise in einer Kiste sammeln. Das ermöglicht dem Kind auch bedeutsame Gegenstände zum Bestandteil seines Portfolios zu machen. Ein Stein, den ein Kind bei einem Ausflug gefunden hat, kann ebenso eine Aussage treffen wie ein selbst gemaltes Bild oder der Text von einem Elternteil. Sowohl der Ordner als auch die Kiste erlauben dem Kind immer wieder zu „stöbern“ , sich die Elemente anzusehen, sie anzufassen und damit seine Entwicklung zu begreifen.

Und es gibt noch weitere Möglichkeiten: Man kann sich auch die digitalen Medien hervorragend zu Nutze machen. Das Kind erfindet ein kleines Lied und singt es vor sich hin: Dieses lässt sich hervorragend mit Tonaufnahmen festhalten. Oder ein Kind fängt in der Einrichtung langsam zu laufen an: Diese ersten Gehversuche kann man in Videoclips aufnehmen. Und dies sind auch nur ein paar von zahlreichen Möglichkeiten. (Wer mehr dazu lesen will, dem empfehle ich mein Buch „Dialogisches Portfolio: Alltagsintegrierte Entwicklungsdokumentation“).

Diese Vielfalt an Möglichkeiten zeichnet die Portfolioarbeit in einem besonderen Maße aus: Man kann den Reichtum an Ausdrucksweisen des Kindes mit einem Reichtum an Methoden festhalten. Und das Schöne dabei: Es gibt kein Richtig und kein Falsch! Ideen der Kinder können wunderbar aufgenommen werden, weil die Art der Dokumentation nicht in ein starr definiertes System passen muss.

stepfolio - Das Portfolio, Sprachportfolio, Videoportfolio, alltagsintegrierte Entwicklungsdokumentation

 

Orientierungshilfe fürs Portfolio

Doch selbstverständlich gibt es bei all dieser Freiheit auch gewisse Rahmenbedingungen, die eine gute Portfolioarbeit auszeichnen. Dazu habe ich ein paar Fragen notiert, mit der sich jede pädagogische Fachkraft im Rahmen der Portfolioarbeit auseinandersetzen sollte:

  • Darf das Kind selbst über Inhalte entscheiden?
  • Hat das Kind freien Zugang zu seinem Portfolio?
  • Werden die Interessen und Stärken des Kindes individuell abgebildet?
  • Wird situationsgebunden dokumentiert?
  • Wird das Kind in die Erstellung von Einträgen eingebunden?
  • Werden dem Kind neue Einträge (bspw. bei Lerngeschichten) vorgestellt und vorgelesen?
  • Wird mit dem Kind über das Portfolio gesprochen?
  • Wird das Portfolio als Anlass zur Reflexion von Entwicklungsschritten herangezogen?
  • Geht es bei Portfolio auch wirklich um Inhalte oder ist es eher ein Fotoalbum?

Ich denke, dass es wichtig ist, dass man sich bei all diesen Fragen natürlich auch immer auf den konkreten Kontext bezieht. Denn selbstverständlich kann man ein 5-jähriges Kind auf eine vollkommen andere Art und Weise in die Produktion von Einträgen einbeziehen als ein 1-jähriges Kind. Gewiss gestalten sich auch reflexive Gespräche je nach Alter und Sprachkompetenz des Kindes.

Wenn ich als Pädagoge eine offene, wertschätzende Haltung habe, dann kann ich jedes Kind miteinbeziehen. Wenn ich es bewusst im Blick habe, ihm meine ungestörte Aufmerksamkeit schenke und ihm ein Angebot zur Interaktion mache.

 
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