Offenes Konzept – was steckt eigentlich dahinter? #Kita_Talk

Der Kindergarten arbeitet nach dem Offenen Konzept – diese Aussage ruft häufig bei Eltern und Erziehern Fragezeichen, Skepsis und Ablehnung hervor. Oftmals steckt die Befürchtung dahinter, dass die Bedürfnisse der Kinder zu kurz kommen, Kinder übersehen werden und keinen Halt finden.

Offenheit wird bei vielen mit Chaos gleichgesetzt. Aber ist das wirklich so? Was heißt denn Offene Arbeit in der Kindertagesstätte? Und vielmehr noch: Was heißt Offene Arbeit nicht?

 

#Teil 4: Offenes Konzept in der Kita

 

„Offene Arbeit heißt doch, alle Kinder machen, was sie wollen und rennen überall herum.“

Dieses Vorurteil hat Carola, die in ihrer Kita nach dem Offenen Konzept arbeitet, schon öfter zu hören bekommen.

„Natürlich ist die räumliche Öffnung ein sichtbares Zeichen des Offenen Konzepts. Denn differenziert gestaltete und genutzte Räume eröffnen den Kindern vielfältigere Erfahrungsräume. Die Kinder können ihren Interessen folgen. Doch das Offene Konzept geht weit über die räumliche Öffnung hinaus. Weitere sichtbare Zeichen eines Offenen Konzeptes sind die organisatorische Öffnung, Flexibilisierung von Strukturen und Durchlässigkeit von Grenzen.“

In Carolas Einrichtung werden insgesamt 61 Kinder im Alter von 0-6 Jahren betreut. Zwar sind alle Kinder zusammen in einem Haus, doch gibt es auch hier aufgrund der recht individuellen Bedürfnisse von Kindern über 3 und unter 3 Jahren eine Trennung in Kinderkrippe und Kindergarten.

Wobei auch hier der Übergang nicht zwingend am dritten Geburtstag eines Kindes festgemacht wird, sondern anhand dessen Entwicklungsstand.

Carola Rittner_stepfolio_Blog
Die räumliche Öffnung ist nur ein Merkmal der Offenen Arbeit.

Allein hier siehst du schon ein wichtiges Merkmal der Offenen Arbeit, das oft falsch verstanden wird. Wir arbeiten nach den Bedürfnissen der Kinder.

Und so kann in der Offenen Arbeit auch eine Trennung Sinn machen, wenn man dadurch besser auf die Individualität eingehen kann.

In der Einrichtung selbst gibt es eine räumliche Trennung zwischen Kindergarten und Kinderkrippe, wobei auch diese durchlässig ist.

Also, man muss nicht in ein anderes Stockwerk oder Haus. Wir haben einen gemeinsam genutzten Essbereich und Garten. Ebenso dürfen Krippenkinder im Kindergarten spielen, wenn sie es möchten – und natürlich auch andersherum.

Ich werde oft gefragt, was denn die Offene Arbeit für uns ausmacht.

Ich benenne hier immer drei wesentliche Aspekte (diese finden sich so in „Einblicke in die Offene Arbeit“ (2006) von Gerlinde Lill wieder):

Besonderheiten_und_Bedürfnisse_bei_der_offenen_Arbeit.jpg

 

Der pädagogische Ansatz

Bei der Offenen Arbeit handelt es sich in allererster Linie um ein pädagogisches Konzept. Ein Konzept, das neue Blickwinkel und Perspektiven zulässt. Das von einer stetigen Reflexion der Arbeit lebt und so ein Umdenken und eine Neuausrichtung des Handelns einschließt.

Immer auf die Angebote und Bedürfnisse der Kinder bezogen. Somit gibt es neben den sichtbaren Aspekten des Offenen Konzepts auch einige unsichtbare Zeichen, die mit einer veränderten Haltung einhergehen.

Offene-Arbeit-Haltung-der-Fachkraft

 

 Doch was bedeutet das konkret für den Kita-Alltag?

 

Ein „Das haben wir aber schon immer so gemacht!“ gibt es bei uns nicht!

Das erste, das ich meinem Team, neuen Mitarbeitern und den Eltern mitgebe, ist folgende Aussage: Wir begleiten mit unserer Haltung die Kinder in ihrer individuellen Entwicklung. Das bedeutet für uns, dass wir nicht davon ausgehen dürfen, dass jedem Kind das gleiche guttut. Ein „Das haben wir aber schon immer so gemacht“ darf es bei uns nicht geben!

Carola Rittner_stepfolio_Blog
Jedes Kind ist anders!

Wir haben es schließlich jedes Mal mit anderen Kindern zu tun, die ihren ganz individuellen Entwicklungsstand mitbringen und sich stetig weiterentwickeln. Die ständige Reflexion von Denk- und Handlungsmustern ist da ein Muss. Wir versuchen, nicht in eingefahrenen Strukturen, sondern eben ins Offene zu denken.

Unser Angebot und pädagogisches Handeln denken wir vom Erleben der Kinder her. Das heißt viel beobachten und zuhören. Denn anders ist es einem gar nicht möglich, auch das Un- und Außergewöhnliche zu entdecken. Jedes einzelne Kind bietet einem wahnsinnig viel an. Doch sehen können wir das nur, wenn das Kind auch einen Raum hat, in dem es frei sein Fühlen, Denken, Erforschen, Erzählen erleben und uns zeigen kann.

 

Das Offene Konzept impliziert einen Wandel des pädagogischen Rollenverständnisses. Es baut auf dem Partizipationsgedanken auf, der die Kinder als Akteure und Gestalter der eigenen Entwicklung sieht. Was das für die pädagogische Arbeit bedeutet?

Im Grunde klingt die Erklärung recht banal: Es geht um ein verändertes Verständnis der Beziehung von Erwachsenen zu den Kindern. Dabei werden die Kinder als Experten für ihr eigenes Leben ernst genommen und die Erwachsenen vertrauen auf die Entwicklungspotentiale der Kinder. Das Selbstbestimmungsrecht der Kinder wird gegenüber den Erwachsenen gesichert.

Die Autoren hier als KinderDie Meinung der Kinder wird ernst genommen und man gestaltet gemeinsam mit ihnen den Lebensort Kita. Damit die Kinder überhaupt in die Lage kommen, wirklich selbstbestimmt ihren Lebensraum mitzugestalten, benötigt es ein großes Maß an Freiheit. Je mehr Freiheiten die Kinder haben, desto stärker werden die Bildungsprozesse von der individuellen Antriebskraft gesteuert. 

Theresa Lill_stepfolio_Blog
Das Offene Konzept braucht Reflexion, neue Perspektiven und Umdenken

Man kennt das: Ein Kind will selbst Erfahrungen machen. Es möchte eigenständig seine Kompetenzen erweitern. Jedes Kind ist stolz, wenn es etwas geschafft oder gestaltet hat. Und genau darum ist das veränderte Rollenverständnis so wichtig! Ein Kind braucht keine Erzieherinnen, die ihm Wege vorgeben und Antworten abnehmen.

Das Kind braucht Erwachsene, die geduldig sind, warten und kleine Impulse geben, die es ihm ermöglicht, selbst Lösungen zu finden, zu experimentieren und eigene Erfahrungen zu machen. Die Erwachsenen – egal ob Eltern oder Erzieher – folgen also den Impulsen der Kinder. Sie begleiten die Kinder und unterstützen sie.

 

 

„Die Kinder machen dann nur noch, was sie wollen!

Chaos ist vorprogrammiert!“

Ja, diese Aussage habe ich auch schon öfter gehört. Aber Nein, gerade das passiert eben nicht! Denn der Gedanke der Partizipation geht ja weiter. In partizipatorischen Momenten erleben sich die Kinder in einer Gemeinschaft, in der sie selbst, ihre Ideen und Bedürfnisse einen Platz finden. Ebenso lernen die Kinder aber auch, aufeinander Rücksicht zu nehmen sowie Grenzen anderer zu erkennen und zu akzeptieren. Hand in Hand mit dieser Erfahrung geht dann auch die schrittweise Ausdehnung der Handlungsspielräume und Verantwortungsübernahme. 

Die Kinder finden ihre eigenen Strukturen. Darum ist es ja auch so wichtig, dass man in einem Offenen Konzept durchlässige Grenzen und flexible Strukturen hat. Denn eine eingespielte Struktur kann ein paar Wochen später, aufgrund winziger Veränderungen, die Kinder unruhig machen.

Die Autoren als Kinder

Es gibt Phasen, da brauchen die Kinder viel Beständigkeit, viel Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. In solchen Phasen schließen wir beispielsweise unsere Türen und haben für die Kinder feste Räume und Bezugserzieher. Für die Ruhezeiten haben wir auch gemeinsam mit den Kindern Regeln erarbeitet. Diese haben wir so über Symbole dargestellt, dass die Kinder auch ihre eigenen Regeln erkennen können – das macht es natürlich wesentlich einfacher, sich daran zu halten. Ein anderes Beispiel wäre die Gestaltung des Mittagessens. Hier gibt es Kinder, die plötzlich einen anderen Schlafrhythmus haben und uns beim Essen fast einschlafen. In solchen Momenten bringt es nichts, das Kind mit Mühe wach zu halten. Das ist anstrengend für das Kind, die Erzieherinnen und anderen Kinder. Einfacher ist es, die Essenszeiten anzupassen und in Schichten zu essen, die auf die verschiedenen Rhythmen der Kinder eingehen. Hier würden mir noch unzählig weitere Beispiele einfallen…

Theresa Lill_stepfolio_Blog
Das Offene Konzept braucht Reflexion, neue Perspektiven und Umdenken

Diese Flexibilität in den Strukturen ist selbstverständlich nur möglich, wenn im gesamten Team eine große Kooperationsbereitschaft vorherrscht, gemeinsam Aufgaben übernommen werden und das pädagogische Handeln gemeinschaftlich getragen wird.

Ein Schlüsselfaktor ist hierbei eine offene und rege Kommunikationskultur. Die Planung und Organisation des Kita-Alltags muss gemeinsam durchgeführt werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass das gesamte Team an einem Strang zieht und die gleichen Ziele verfolgt werden. Neben der Abstimmung darüber, wer sich wann wo aufhält und für was zuständig ist, muss vor allem auch der Austausch über die Kinder zur Alltagsordnung gehören.

Es braucht Transparenz im Arbeitsalltag, um Missverständnissen vorzubeugen und stets geschlossen als Team auftreten zu können. Das gibt den Kindern und Familien Sicherheit und schafft Vertrauen. Es geht um Vertrauen und gemeinsam gelebte Verantwortung.

 

 

oranger Balken

Im #Kita_Talk:

Kinder auf dem Motorrad_stepfolio_Blog

Die Kindergartenfreundinnen Theresa Lill (M.A. Frühpädagogik, inklusive Theaterpädagogik) und Carola Rittner (staatl. anerkannte Erzieherin, B.A. Sozialpädagogik) heckten schon früher gemeinsam Streiche aus und stellten damit ihre Kita auch schonmal auf den Kopf … Diese Zeit ist sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass beide beruflich dem Kita-Alltag treu geblieben sind.

 

oranger Balken

 

 

 

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