Wie mit Marte Meo eine gute Interaktion zwischen Erzieher und Kind gelingt

Die Interaktion von Erzieher und Kind ist ein wichtiges Thema, gerade wenn es darum geht, eine qualitätsvolle Arbeit in der Kita zu leisten. Da Interaktionen maßgeblich vom Verhalten der Personen bestimmt werden, ist es seitens der Fachkräfte besonders wichtig, stets das eigene Handeln zu reflektieren.

Um einen tieferen Einblick in die Thematik zu bekommen, habe ich eine Expertin auf diesem Gebiet eingeladen. Meine heutige Interviewpartnerin ist Frau Cornelia Korreng.

Beim ergovia Fachtag Kita 2016 in Nürnberg war sie Referentin für den Workshop Interaktion von Erzieher und Kind.

Frau Korreng arbeitet seit vielen Jahren als Supervisorin mit Kindern, Familien und pädagogischen Einrichtungen. Weiterhin ist sie als Fachberaterin für Marte Meo tätig. Bei Marte Meo geht es um eine Entwicklungsförderung mit Videounterstützung.

 

 

Welche Faktoren machen eine gute Beziehung zwischen Kind und Fachkraft aus?

Cornelia Korreng: „Ich denke, hauptsächlich die innere Haltung, die Achtsamkeit und die Aufmerksamkeit für das Kind.

Das heißt, auch die Fähigkeit, vom eigenen Tempo absehen zu können. Für mich ist das Tempo etwas ganz Wichtiges in den Kindertageseinrichtungen. Wir Erwachsene sind ganz häufig viel zu schnell im Denken, im Reden, im Handeln und im Fortschreiten der Interaktion.

Natürlich gehört noch der Dialog auf Augenhöhe dazu. Mit einer ergebnisoffenen Haltung in der Interaktion. Wenn ich keine angeleitete Situation habe, muss ich offen für Antworten sein, für Ideen der Kinder und auch für das, was im Interaktionsprozess am Ende herauskommt.

Und auf jeden Fall braucht es Neugierde. In der Form, dass ich selber auch neugierig bin, dass ich interessiert bin: Was erzählt mir ein Kind? Was denkt ein Kind? Wie sieht es das, worüber wir sprechen? Was möchte es mir mitteilen? Und das kann immer wieder neu sein. Dazu gehört auch der Wille, immer wieder ein Kind neu kennenlernen zu wollen.“

 

Welche Möglichkeiten birgt hierbei die Marte-Meo-Methode?

Cornelia Korreng: „Die Marte-Meo-Methode birgt die Möglichkeit, dass ich die Beobachtung nach meinen Bedürfnissen gestalten kann: Das heißt, ich habe ein Kind oder eine Szene auf einem Film, mit mir – in der Regel ist der Erwachsene mit dabei – es geht ja um den Interaktionsprozess. Und diese Szene kann ich mir in aller Ruhe anschauen. Ich kann mir einmal das Kind anschauen, ich kann einmal mich anschauen, ich kann mir die Gesichtsausdrücke von beiden betrachten. Ich kann es von hinten anschauen, ich kann es von vorne anschauen, ich kann mir das Nonverbale, die Körpersprache, angucken. Ich kann alle Apsekte gesondert betrachten, ganz so wie ich will.

Wenn man an all die Beobachtungsfehler denkt, die passieren können, ist Folgendes bei Marte Meo immer wieder interessant: Man kann einen Ausschnitt zehnmal sehen und dann entdeckt man etwas, das man vorher noch nicht gesehen hat. Und das finde ich, ist die große Chance bei dieser Methode. Also ganz entspannt sich eine Szene angucken zu können, ohne Ablenkung, ohne noch irgendeinen anderen Auftrag.“

 

In welchen Bereichen findet die Marte-Meo-Methode besonders Anklang?

Cornelia Korreng: „In allen Bereichen, in denen Menschen miteinander arbeiten und wo es um Beziehungsqualität geht. Weil Beziehungsqualität Entwicklung fördert. Egal ob Erwachsene, Kinder, ob es in Teams ist, in Pflegeberufen, zum Beipiel in der Altenpflege oder der Behindertenarbeit wird sehr viel mit Marte Meo gearbeitet.  Also überall da, wo der Beziehungsmoment, der Beziehungsaspekt zwischen Menschen, eine tragende Rolle spielt. Das sind die Bereiche, bei denen hauptsächlich Marte Meo angewendet wird.“

Interaktion Erzieher Kind Cornelia Korreng im stepfolio Experteninterview 2

 

3 kurze Tipps für den Alltag: Wie kann ich mein Verhalten im Bezug zum Kind bewusster steuern?

Cornelia Korreng: „Mein Tipp wäre: wenn ich etwas über Marte Meo gehört habe und über gute Beziehungsmerkmale, dass ich mir ein Merkmal nehme, und mir vornehme, eine Woche besonders auf dieses eine Merkmal zu achten.

Wir haben so ein paar schöne Marte-Meo-Merkmale, die merke ich mir gerne. Das erste ist das Gute Gesicht. Das heißt, dass ich eine Woche darauf achte, dass ich ein gutes Gesicht mache, wenn ich mit anderen kommuniziere, mit Kindern kommuniziere.

Ein weiteres wichtiges Merkmal ist auch das Benennen: Ich setze mir eine bestimmte Zeit, in der ich darauf achte, das, was ich tue, zu benennen. Zum Beispiel: Wenn ich jetzt plötzlich aufstehe und rausgehe, würden sich alle denken: ,Was ist denn jetzt los?‘ … wenn ich jetzt aber vorher sage: ,Entschuldigung, ich habe meinen Text draußen vergessen, ich geh mal schnell‘ – dann wüsste jeder Bescheid, wir würden in einer kommunikativen Verbindung bleiben und was ich tue, wäre nachvollziehbar. Dieses Benennen ist ein wichtiges Merkmal.

Generell gilt es, sich etwas vorzunehmen und zu gucken, ob ich es umsetze. Und dabei ist das beste Medium: Ich filme mich. Weil kein Mensch agieren und sich gleichzeitig dabei beobachten kann – Mit einer Aufnahme aber kann ich es gut überprüfen.

Ein anderes wichtiges Merkmal – gerade in der Kita – ist das Warten. Warten können, bis Kinder eine Antwort geben. Warten können, bis Kinder zeigen, was eigentlich ihr Impuls ist. Warten können, wenn ein Kind etwas tut – bis ich anfange zu erkennen: Was verfolgt und lernt es gerade? Mit welcher Thematik ist es gerade beschäftigt? Und die Fähigkeit beim Warten auf das Kind zu schauen und nicht auf meinen Arbeitsauftrag, der in mir ruft: Ich muss noch dies erledigen, ich muss noch das tun …

Wenn ich schaffe, in meinem Alltag nur diese drei Dinge so umzusetzen, dann bin ich in meiner Interaktion einen großen Schritt weitergekommen.“

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Hier finden Sie noch mehr Informationen zu Frau Cornelia Korreng und ihrem Institut für ENTWICKLUNG – BILDUNG – ERZIEHUNG:

Institut für Entwicklung - Bildung- Erziehung

 

An dieser Stelle bedanke mich noch einmal recht herzlich bei Frau Korreng für diesen Einblick. Ich denke, dass vor allem deutlich geworden ist, wie wichtig es ist, bewusst zu agieren. Man muss sich seine eigenen Handlungen bewusstmachen, um verstehen zu können, wie man auf die Kinder wirkt. Erst dann kann man sein pädagogisches Verhalten gezielt steuern und die Qualität der Interaktionen verbessern.

 

 

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