Mehr Qualität in Kitas

„Wir haben einen Bildungsauftrag und der findet sich in der pädagogischen Qualität unserer Kindertageseinrichtung wieder. Aber das Wie ist nicht definiert.“

(Frau. Dr. Ilse Wehrmann auf dem ergovia Fachtag 2016).

Die Stichwörter Bildung und Qualität: Der Bildungsauftrag in der Kita kann nur dann erfüllt werden, wenn die pädagogische Arbeit von Qualität geprägt ist. Dieser Aussage stimmt zunächst jeder zu. Klar! Qualität ist wichtig …

Aber was ist denn eigentlich Qualität in der Kita?

Jeder spricht von Kitaqualität, frühpädagogischer Qualität oder auch Bildungsqualität. Doch was genau dahintersteckt, ist nicht klar definiert. Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, habe ich mich bei Experten der frühkindlichen Bildung umgehört. Wie viele wahrscheinlich vermuten werden: Jeder von ihnen hat einen anderen Blickwinkel auf die Thematik – aber gerade das macht die Antworten so facettenreich und spannend!

Qualität: Der wertschätzende Umgang

Frau Cornelia Korreng arbeitet seit vielen Jahren als Supervisorin mit Kindern, Familien und pädagogischen Einrichtungen. Als Marte Meo Fachberaterin legt sie einen Fokus auf das Wachstum durch Perspektivenwechsel und gemeinsamer Zielorientierung. Zum Thema Qualität in der Kita sagt sie:

„Qualitativ hochwertige Arbeit in der Kita bedeutet Achtsamkeit und Wertschätzung im Umgang mit einem Kind, mit Eltern, im Team und natürlich auch mit sich selbst.“ (Interview Cornelia Korreng)

Cornelia Korreng ist es wichtig, aufmerksam zu sein und das eigene Denken und Handeln immer wieder zu hinterfragen. Schließlich muss einem bewusst sein, wie eigene Äußerungen und Taten auf andere wirken.

In Kindertagesstätten treffen immer Individuen aufeinander. Seien es Fachkräfte, Eltern oder Kinder – alle kommen mit verschiedenen Emotionen in die Einrichtungen. Das Stichwort hier ist Achtsamkeit: Für ein gutes Miteinander gilt es, eine Sensibilität für das individuelle Empfinden zu haben. Das bedeutet, nicht nur die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen, sondern gleichzeitig auch die der Eltern und Kollegen. Sollen pädagogische Prozesse gelingen, muss erst einmal das soziale Miteinander funktionieren.

Qualität: ein gemeinsamer Prozess von Fachkräften, Eltern und Kind

Es sind also nicht allein die Fachkräfte, die Einfluss auf die Qualität pädagogischer Prozesse haben. In der Kita hat man es immer mit einem Miteinander von wenigstens drei Parteien zu tun: Fachkräfte, Eltern und Kind.

„Die aktive Einbeziehung der Eltern in das Einrichtungsgeschehen ist wichtig für alle Beteiligten insbesondere für die Kinder. Forschungsbefunde zeigen auf, dass sich eine gute Kooperation zwischen Familie und Einrichtung positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Mit Stärkung des Bildungsauftrags von Kindertageseinrichtungen gewinnen die Kooperation und Vernetzung der Bildungsorte Familie und Kita zunehmend an Bedeutung und Gewicht. Nur gemeinsam wird die Herausforderung gelingen, eine hohe Bildungsqualität für alle Kinder von Anfang an sicherzustellen.“ (Bayerisches Staatsministerium)

Qualität: soziales Miteinander über die Kita hinaus

Für die Qualität ist jedoch nicht nur das soziale Miteinander entscheidend. Wichtig ist es, ein Bewusstsein für die pädagogische Reichweite zu haben.

Herr Marco Kierstan ist Pädagoge und arbeitet im Programm Qualität vor Ort der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Für Kierstan beschränkt sich Qualität nicht allein auf den Raum der Kindertageseinrichtung, sondern er geht noch einen Schritt weiter:

„Qualität ist für mich zum einen die Orientierung am Kind mit seinen individuellen Stärken und zum anderen das Denken über die Einrichtung hinaus in den Sozialraum der Kinder.“ (Interview Marco Kierstan)

Marco Kierstan hat den klaren Standpunkt, in größeren Strukturen zu denken, um Qualität zu erreichen. Stabile Partnerschaften zu knüpfen, um sich damit Ressourcen hereinzuholen. Kierstan spricht an, dass Qualität kein abgeschlossener Prozess ist. Qualität muss ständig weiterentwickelt werden, da es immer wieder neue Fragestellungen und Anknüpfungspunkte gibt.

So kann ein Abenteuerspielplatz neu entdeckt worden sein, der neue Erfahrungswelten für das Kind ermöglicht. Es kann sich aber auch durch familiäre Probleme die Lebenssituation für ein Kind verändern. Oder ein Kind hat für sich allein einen neuen Entwicklungsschritt gemeistert.

Qualität: Der Blick auf den individuellen Entwicklungsstand

Dieser individuelle Entwicklungsstand ist für Herrn Dr. Henning Rosenkötter ein wesentlicher Faktor beim Thema Qualität in der Kita. Konkret bedeutet das für den Kinderarzt und Entwicklungsneurologen, dass die pädagogische Diagnostik von enormer Bedeutung ist. Aufgrund derer kann der Entwicklungsstand eines Kindes besser beurteilt und ein Bildungskonzept erstellt werden. Es wird somit auch klar, wie man dem jeweiligen Kind gegenübertreten kann, um es nicht zu über- oder unterfordern. Selbstverständlich gilt es, sich diesbezüglich seiner eigenen Handlungen bewusst zu sein.

„Qualität in der Kita benötigt Selbstreflexion, Qualität von pädagogischer Diagnostik, Elternzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Leitungsqualität und ein gutes Konzept.“ (Interview Dr. Henning Rosenkötter)

An dieser Aussage wird vor allem eines deutlich: es reicht nicht nur das gute Gefühl, es braucht auch ein fundiertes Konzept, um Qualität in der Kita fest zu verankern. Das Konzept muss so ausgelegt sein, dass jedem Kind die bestmögliche Bildung ermöglicht wird. Jedes Kind hat seinen individuellen Entwicklungsweg und sein spezifisches soziales Umfeld. Die Fachkraft unterstützt dabei eine fundierte pädagogische Diagnostik, die die Stärken, Schwächen und Bedürfnisse eines Kindes aufzeigt.

Qualität in der Kita ist äußerst facettenreich. Sicherlich konnte ich hier nur einen Einblick in die sehr umfassende Thematik geben. Jedoch empfinde ich diese Impulse der Interviewpartner als sehr wertvoll und freue mich darauf, bald noch weitere Gedanken zu diesem Thema reflektieren zu können.

Haben Sie auch eine Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie mir ganz einfach über das Kommentarfeld.

 

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