Mehr Qualität in der Kita – welche Rolle spielt die Interaktion dabei?

Letzte Woche bin ich der Frage nachgegangen, was genau Qualität in der Kita bedeutet und habe dazu Experten unterschiedlichster Fachrichtungen befragt.

Diese entscheidende Kriterien konnte ich dabei feststellen:

Qualität ist…
… der wertschätzende Umgang untereinander
… der gemeinsame Prozess von Fachkräften, Eltern und Kind
… das soziale Miteinander über die Kita hinaus
… der Blick auf den individuellen Entwicklungsstand

Dem Ganzen fügt Marion Lepold, Trainerin und Coach für Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten, noch hinzu:

„Qualität in der Kita bedeutet für mich eine gute Interaktion zwischen Pädagogen und Eltern und Kindern. Nicht noch mehr in speziellen Programmen zu denken, sondern die Alltagssituationen positiv zu nutzen, die es in jeder Kita gibt.“

Marion Lepold spricht hier konkret die alltägliche Interaktion zwischen Pädagogen und Eltern und Kindern an.

Mich beschäftigt heute besonders die Interaktion der Fachkräfte mit den Kindern.

 

Grundfrage: Wie sehe ich die Kinder?

Zunächst einmal muss ich mir darüber im Klaren sein, dass jegliche Interaktion davon abhängt, wie ich den Menschen gegenübertrete. Und so liegt auch jeder pädagogischen Interaktion ein individuelles Menschenbild zugrunde. Das heißt, ich stelle mir selbst die Frage, wie ich Kinder sehe:

Sind Kinder für mich hilflose Wesen, für die ich jegliche Verantwortung übernehmen und denen ich die Welt erklären muss? Oder betrachte ich sie vielmehr als eigenständige Subjekte, die sich selbst mit einer bezeichnenden Kompetenz die Welt aneignen? Oder ist es etwas zwischendrin?

Ich muss für mich selbst wissen, was ich den Kindern in einem bestimmten Alter zutraue, was sie interessieren könnte und wie deren Lebenswelt aussieht. Dabei ist besonders wichtig, sich auf die Kinder und ihren sozialen Hintergrund einzulassen und sich mit diesen ernsthaft auseinanderzusetzen.

Habe ich diese Frage für mich geklärt, geht es im nächsten Schritt darum, die Grundlage für eine gute Interaktion zu schaffen.

 

Welche Grundlage brauche ich für eine gelingende Interaktion?

Eine gemeinsame, gut gelingende Interaktion braucht eine fundierte Grundlage. Diese Grundlage besteht in der stabilen Bindung zwischen dem Kind und dem Erwachsenen. Wichtig ist hierfür, dass die Bindung von Sicherheit und Vertrauen geprägt ist.

Kinder brauchen einen vertrauten Rahmen, in dem sie sich entwickeln können. Sie müssen sich geborgen und gut eingebunden fühlen. Das Kind vertraut der Fachkraft, was wiederum sein Wohlbefinden steigert. Demnach sind die pädagogischen Fachkräfte gefragt, die eingeforderte Nähe zuzulassen, und durch Eigeninitiative die Bindung aktiv zu fördern.

So kann durch eine stabile Bindung die Basis für eine funktionierende Kommunikation und Interaktion geschaffen werden.

Entscheidend dabei ist, dass eine feste Bindung nicht nur die Basis von Interaktionen bildet. Eine stabile Bindung zu einem Erwachsenen wirkt sich auf die gesamte Entwicklung des Kindes und dessen Bildungsprozesse aus. Eine gute Entwicklung des Kindes ist folglich nur dann möglich, wenn es Sicherheit und Vertrauen erfährt.

Somit wird die Bedeutsamkeit sicherer Bindungen nochmals deutlicher. Für pädagogische Fachkräfte muss die Frage, wie man diese Bindungen fördert, stets gegenwärtig sein.

 

Wie verhalte ich mich also als Pädagoge?

Als Pädagoge stelle ich für die Kinder eine Art Sicherheitsbasis dar. Die Kinder orientieren sich an ihrem erwachsenen Gegenüber und suchen bei ihm Rückhalt und Vertrauen.

Dabei dient mein Verhalten den Kindern als Anhaltspunkt. Für die Theaterpädagogin Stefanie Jerg bietet das eigene Verhalten den Kindern:

 „[…]als sicheren Rahmen die Gewissheit, dass alles noch so Ungewöhnliche und Fremdartige nach wie vor seine Ordnung hat.

Kinder brauchen stets eine Rückmeldung, um ihre Unsicherheit ausgleichen zu können. Ihre Anliegen können sich dabei über viele Bereiche erstrecken. Neben den elementaren Bedürfnissen, wie beispielsweise dem Durstlöschen, kann ein Kind auch eine besondere Zuwendung einfordern, um somit die eigenen Emotionen zu regulieren.

Dazu gehört unter anderem das Trösten und Beruhigen des Kindes, egal welchen Hintergrund seine Aufregung hat. Ebenso sucht ein kleines Kind oft nach Rückversicherung in seinem explorativen Verhalten, also bei seiner Erkundung der Welt.

Insgesamt ist es einem Kind nicht möglich, sich forschend mit der Welt auseinanderzusetzen, wenn es sich grundlegend unsicher fühlt. Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ist für die Kinder die elementare Voraussetzung, den Mut zu fassen, Dinge auszuprobieren. Fühlt sich ein Kind unsicher, so stoppt es mit seinen Erforschungen. Wir als Erwachsene sind gefragt, dem Kind dieses Gefühl von Sicherheit wiederzugeben. Erst wenn das Kind seine nötige Sicherheit zurückgewonnen hat, kann es mit seinem Handeln fortsetzen. (Zur weiteren Lektüre empfehle ich das Buch von Ilse Wehrmann, Malte Mienert und Heidi Vorholz).

Eine sichere Bindung und stabile Beziehung sind also Grundlage für gute Interaktionen. Doch jetzt stellt sich für mich natürlich die Frage danach, wie ich pädagogische Interaktionen gestalten kann.

 

Wie gelingt mir eine gute Interaktion?

Grundsätzlich ist es bedeutsam, jedem Kind auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist wichtig, dass ich mir als pädagogische Fachkraft das Kind als gleichwertigen Kommunikationspartner ansehe – auch wenn das Verhältnis zwischen uns asymmetrisch ist.

Der Professor für Pädagogik Gerd Schäfer spricht in seinen Ausführungen die Subjektivität an. Nur, wenn man als Erwachsener die Subjektivität eines Kindes als bedeutsam und die Äußerungen dieses Kindes als gleichwertig zu den eigenen ansieht, kann man das Kind auch ernst nehmen. Und nur wenn ein Kind das Gefühl hat, verstanden und ernst genommen zu werden, lässt es sich offen auf eine Interaktion mit einer anderen Person ein.

Ein Kind ernst zu nehmen bedeutet, ihm aufmerksam zuzuhören. Nicht nur auf das direkt Gesagte kommt es an, sondern auf das, was sozusagen zwischen den Zeilen steht. Es geht dabei um eine allumfassende Aufmerksamkeit, die möglichst jedes Zeichen des Kindes wahrnimmt.

Selbst sehr ruhige Kinder können sehr viel aussagen, wenn man sie nur genau betrachtet – wenn man ihnen zuhört. Ein Verständigungsprozess muss also nicht immer auf einer verbal ausartikulierten Ebene stattfinden. Man begleitet die Kinder in ihrem Verhalten nicht nur mit Worten, sondern ebenso mit Mimik und Gestik.

Durch Zuwendung oder Abwendung kann ich die Intensität des kindlichen Erlebens intensivieren oder abschwächen. Ebenso kann ich direkt auf das Kind einwirken, beispielsweise in Situationen, in denen ich einem Kind Trost spende.

Zusätzlich ist Kindern die Rückmeldung auf ihr Verhalten sehr wichtig. Diese Resonanz ist für den Entwicklungsprozess des eigenen Bewusstseins bedeutsam. Die Kinder lernen durch direkte Rückmeldung, das eigene Tun und Denken besser einschätzen zu können.

So kann beispielsweise ein Kind, das versucht seinen Teller auf den Boden zu werfen, an meiner Reaktion erkennen, dass dies ein unerwünschtes und unangemessenes Verhalten ist. Über die Spiegelung des eigenen Verhaltens kann sich das Kind sozusagen aus der Außenperspektive betrachten und sich dadurch ein Bild von sich selbst machen. Noch mehr Beispiele können bei Professor Schäfer nachgelesen werden.

 

Mein Fazit zu diesem Thema:

Die Kinder lernen jeden Tag und in jedem Moment. Daher beeinflusst auch mein Handeln deren Entwicklung maßgeblich. Und hier sieht man auch, was die besondere Qualität von pädagogischen Fachkräften in der Kita ausmacht: Alle was sie tun, tun sie bewusst. Dieses bewusste Handeln ist natürlich eine enorme Herausforderung, wenn man bedenkt, dass man ja nicht nur ein Kind hat, mit dem man im Laufe des Tages interagiert. Aber gerade deshalb ist es umso wichtiger, dass man sich als Fachkraft immer wieder einmal zurücknimmt und sich bewusst fragt, welche Motive dem eigenen Handeln zugrunde liegen und wie sich diese auf die Kinder auswirken.

 

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2 Gedanken zu „Mehr Qualität in der Kita – welche Rolle spielt die Interaktion dabei?

  1. Hey, danke das ist ein super Artikel.
    Heute ist es leider noch in vielen Kitas üblich die Kinder von ober herab zu dirigieren. …und es steht Situationsansatz in der Konzeption.Naja. Ich arbeite intuitiv nach dem Prinzip von Prof Schäfer. Da ist man schon der Außenseiter in der Kita. Schön das er es fachlich empfohlen hat.
    Können sie mir bitte den Titel der Bücher nennen? Ich habe sie nicht gefunden.
    Danke LG vonA. Knappe

    1. Vielen Dank für Ihr Feedback Frau Knappe,
      ich kann Ihnen das Buch: „Was ist frühkindliche Bildung?: Kindlicher Anfängergeist in einer Kultur des Lernens“ von Prof. Schäfer nahelegen. Auf dieses Buch beziehe ich mich hauptsächlich, wobei ich aber auch seine früheren Werke sehr empfehlenswert finde.
      Liebe Grüße
      Theresa Lill

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