Marte Meo: Etwas durch eigene Kraft erreichen – ein Interview mit Dr. Christian Hawellek

Ich freue mich, den Juni unter das Thema Marte Meo stellen zu können. Doch was genau ist Marte Meo überhaupt? Knapp gesagt: Marte Meo ist eine Entwicklungs- und Kommunikationsmethode, die durch Videoaufnahmen Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen unterstützen und beraten kann.

Jedoch ist dieses Thema so vielschichtig und universell, dass es sich lohnt, sich ein wenig in die Thematik zu vertiefen.

Hierfür habe ich einen ganz besonderen Autor eingeladen: Dr. Christian Hawellek, Leiter des Norddeutschen Marte Meo Instituts.

Dr. Christian Hawellek

Herr Dr. Hawellek ist Dipl.-Pädagoge, Kinder- und Jugendlichentpsychotherapeut, Paar-, Erziehungs- und Familienberater und Marte Meo Licensed Supervisor. Zudem ist er Autor zahlreicher Fachbücher.

In den nächsten drei Wochen wird Dr. Hawellek einen Einblick in verschiedene Bereiche von Marte Meo geben. Das Besondere an Dr. Hawellek ist: Er ist nicht nur Experte auf dem Gebiet Marte Meo, sondern er hat auch Marte Meo als einer der ersten nach Deutschland gebracht. Im folgenden Autoreninterview erzählt er uns, was Marte Meo für ihn bedeutet.

 

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Herr Dr. Hawellek, wann sind Sie das erste Mal mit Marte Meo in Berührung gekommen?

Durch einen Zufall sah ich am 17.12.1990 einen Film im WDR aus der Reihe „Signale“ mit dem Titel: „Wenn Eltern nicht mehr weiterwissen – Eine Videotherapie kann helfen.“

In diesem Film wurde die Arbeit von Maria Aarts mit einer Familie gezeigt. Es war eine Aufnahme des in Holland damals neuen Orion Modells, das ein Home Training für Eltern anbot, die Probleme mit ihren Kindern hatten. Die Familie in dem Film hatte einen Jungen mit MCD (Minimale Cerebrale Dysfunktion), heute ADHS (Attention Deficit Disorder with Hyperactivity). Dieser Junge brachte das Familienleben trotz vieler vorheriger Therapieversuche gehörig durcheinander. Die Sendung dokumentierte die Situation der Familie vor und nach dem Home Training.

Ich war damals Leiter einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle und konnte kaum glauben, welche Veränderungen im Familienleben zu sehen war. Ich hatte schon unterschiedliche Therapieausbildungen absolviert und Erfahrungen mit Familien gesammelt, die sehr ähnliche Schwierigkeiten hatten wie die Familie, die im Film gezeigt wurde.

Daher wollte ich unbedingt in Erfahrung bringen und auch lernen, was Maria Aarts und ihre Arbeit so erfolgreich macht.

Also setzte ich mit dem WDR in Verbindung, erfuhr die Kontaktadresse von Maria und lud mich und eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen bei ihr nach Den Haag ein. Maria zeigte uns Filme und sprach darüber, wie sie damit arbeitete.

Das war der Anfang einer langjährigen Ausbildungs- und Supervisionszeit, die bis heute andauert und sich inzwischen zu einer kollegial-freundschaftlichen Beziehung entwickelt hat.

Sie haben Marte Meo als einer der ersten nach Deutschland gebracht. Welche Reaktionen haben Sie zunächst auf die neue Methode erhalten?

Die Kolleginnen und Kollegen mit denen ich Marte Meo erlernen durfte, kamen aus Skandinavien, Holland, Irland, Indien und weiteren Ländern. Dort war Marte Meo, wie Maria nach der Beendigung ihrer Arbeit bei Orion ihre Arbeitsmodell nannte, schon ein wenig länger bekannt. Von den KollegInnen konnte ich hören, dass mit Marte Meo dort schon ganz interessante Erfahrungen und Projekte auf den Weg gebracht wurden.

Dann nahm ich Kontakt mit Peter Bünder und seiner Frau Annegret auf, die außer mir, bis dahin die einzigen Deutschen waren, die Verbindungen mit Maria Aarts hatten.

Zeitgleich habe ich damit begonnen, mein bisheriges Know How über Entwicklungsförderung und Familienberatung und Kindertherapie mit meinen neuen Erfahrungen zu verbinden und darüber Fachartikel zu veröffentlichen.

Ich sprach mit Freunden aus ähnlichen Berufsfeldern, deren Neugier dazu führte, dass sie mehr darüber wissen wollten. So entstanden erste Fachveranstaltungen, die ihre Kreise zogen. Auf diese Weise konnte sich Marte Meo langsam aber kontinuierlich verbreiten.

Dr. Christian Hawellek mit Kollegin Mette Isager
Dr. Christian Hawellek mit Kollegin Mette Isager

Was gefällt Ihnen persönlich besonders gut an Marte Meo?

Marte Meo ist menschen- und praxisfreundlich. Es lenkt den Blick auf die positiven Seiten und vielfältigen Möglichkeiten des Alltags.

Von daher ist das Arbeiten mit Marte Meo eine Art „Energiser.“ Es steht damit in einem wohltuenden Gegensatz zu vielen anderen Methoden von Entwicklungsförderung und Therapie. Darüber hinaus schult die Methode die Achtsamkeit für Menschen und Momente in einer Grundhaltung des Respektes.

Wie integrieren Sie Marte Meo in Ihren Alltag?

Das sollten sie am besten meine Frau oder auch meine Kinder fragen. Wenn man Marte Meo macht, denken die Menschen manchmal, dass man als Kommunikationsfachmann privat immer auch sozusagen optimal kommuniziert. Dazu ist jedoch niemand in der Lage und das ist aus meiner Sicht auch gar nicht erstrebenswert. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, einmal „schlecht drauf“ zu sein und in diesen Situationen entsprechend zu kommunizieren.

Die Frage, bei der Marte Meo dann helfen kann, ist die Frage danach, wohin ich meinen Blick und meine Aufmerksamkeit richten kann, damit es mir in bestimmten Stressmomenten bessergeht.

Im pädagogischen oder therapeutischen Alltag sollte es allerdings zur Professionalität gehören, sich überwiegend, d.h. mehr als 50% konstruktiv und unterstützend zu verhalten.

Die Momente, in denen das nicht geschieht, sind ebenfalls Gelegenheiten zu lernen, z.B. mit Stress und Belastung umzugehen.

In der Marte Meo Arbeit werden Schwierigkeiten und Probleme als Gelegenheiten zur Entwicklung verstanden.

Wie kann man Marte Meo im Kindergarten anwenden?

Das geschieht schon vielerorts und auf vielfältige Weise. Es gibt Einrichtungen, die mit einer „Marte Meo Einladung“ Elternabende gestalten, in denen sie Clips zeigen, die verdeutlichen, wie Eltern ihre Kinder in normalen Alltagssituationen unterstützen und fördern können.

In Entwicklungsgesprächen zeigen Marte Meo KollegInnen, welche konkrete Unterstützung ein bestimmtes Kind benötigt, um nächste Entwicklungsschritte gut zu bewältigen. Die Eltern werden dann dazu eingeladen, die Entwicklungsbedürfnisse ihrer Kinder Schritt für Schritt gezielt zu unterstützen.

 

 

Dazu lernen die Eltern zunächst, die Initiativen ihrer Kinder zu beachten, daran anzuschließen und die Kinder bei Bedarf positiv anzuleiten. In einem Folgefilm werden dann die Veränderungen und Erfolge sichtbar. Die Eltern können somit ihre Erfolge sehen und genießen.

Wenn in der Kita gefilmt wird, kann sich die Kita mit ihrer professionellen Kompetenz nach außen präsentieren und so die Qualität der pädagogischen Arbeit verdeutlichen. 

In Gesprächen mit anderen Fachkräften z.B. Hilfeplangesprächen können die Videoclips den Hilfebedarf in Einzelfällen sowie die bisherigen Entwicklungsschritte für alle Beteiligten konkret darstellen.

Herr Dr. Hawellek, vielen Dank für Ihre Antworten!

 

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In den nächsten drei Beiträgen taucht Herr Dr. Hawellek noch weiter in das Thema Marte Meo ein. Bleiben Sie gespannt! Wer sich vorab schon über Marte Meo Schulungen interessiert, kann sich auf der Homepage des Norddeutschen Marte Meo Instituts informieren.

 
 
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