Marte Meo: Eine Methode für den pädagogischen Alltag – ein Gastbeitrag von Dr. Hawellek

Die Wortschöpfung „Marte Meo“ bedeutet so viel wie „aus eigener Kraft“

Wenn Kindern aus eigener Kraft etwas gelingt, sind sie zumeist stolz auf das Erreichte und möchten ihren Erfolg mit ihren Eltern oder den pädagogischen Fachkräften teilen.

Kinder, die gerade dabei sind etwas Neues zu lernen, können dabei von den Erwachsenen unterstützt werden. Dies gelingt, indem die Erwachsenen die Kinder Schritt für Schritt anleiten. Sie benennen in jedem Moment, was als nächstes zu tun ist und warten auf die entsprechende Aktion des Kindes.

Wenn die Kinder erfolgreich sind, sollen die Erwachsenen den Erfolg oder Teilerfolg bestätigen.

Marte Meo für den alltäglichen Umgang

Maria Aarts, die Begründerin der Marte Meo Methode hat die Methode für den alltäglichen Umgang mit Kindern entwickelt, oder mit ihren Worten: „It’s for the people on the workfloor“, also für ErzieherInnen, BetreuerInnen so wie für Eltern, LehrerInnen und denjenigen, die täglich damit zu tun haben, für andere Menschen zu sorgen.

Sie sollen mit Marte Meo eine Unterstützung dabei erhalten, anstehende Herausforderungen und Schwierigkeiten möglichst „aus eigener Kraft“ zu bewältigen.

Wenn man sich vor Augen führt, wie Kinder lernen, eine Schleife zu binden, dann kann man sich eine schrittweise Anleitung vorstellen: Du legst die beiden Enden des Schürsenkels übereinander…ja genau so, und jetzt nimmst Du ein Ende und legst es über das andere… prima…, jetzt hast Du schon einen Knoten geschafft, super…, mit dem langen Ende kannst Du jetzt ein Eselsohr machen…genau…usw.

Der Rhythmus einer positiven Anleitung besteht darin, den nächsten Handlungsschritt freundlich anzukündigen, auf die Reaktion zu warten und sie zu bestätigen.

Positive Anleitung geschieht nach dem Motto: informieren statt korrigieren oder, anders formuliert, vorher sagen, statt später klagen! So sorgen z.B. kompetente Eltern in denjenigen Momenten, in denen ihre Kinder etwas Neues lernen, dafür, dass die Kinder Erfolgserlebnisse haben.

Diese wiederum stärken das kindliche Selbstbewusstsein und machen die Kinder auf Dauer zu selbstständigen Menschen.

Eltern-als-Coach

Bei den unvermeidlichen Misserfolgen trösten die Eltern und helfen ihren Kindern dabei, nicht bei der Erfahrung des Misserfolges zu verharren.

Sie bestätigen den Teilerfolg und halten nach neuen Möglichkeiten Ausschau. Erfolgserlebnisse geben die notwendige Energie für neue Erkundungs- und Handlungsschritte, die den Kindern fortlaufend vom Leben abverlangt werden. Es geht bei der Aktivierung der eigenen Kräfte von Menschen also immer darum, Probleme als Herausforderungen zu sehen, welche sich schrittweise bewältigen lassen.

Probleme werden so zu Entwicklungs- und Unterstützungsgelegenheiten.

Wenn ich das Problem eines anderen Menschens für ihn löse, dann nehme ich diesem zugleich eine Gelegenheit zur Entwicklung weg – ein pädagogischer Leitgedanke, den schon Maria Montessori formulierte: Hilf mir, es selber zu tun!

Marte Meo und „Therapie“

Die moderne Entwicklung scheint jedoch bisher häufig entgegengesetzt zu verlaufen: Sobald Probleme im pädagogischen Alltag auftauchen, wird nach „Therapie“, also nach Spezialisten für Problemlösungen gerufen.

Eine Therapie jedoch findet im günstigen Fall eine Stunde in der Woche statt, während Kinder, die Probleme haben oder auch bereiten, ihren Alltag überwiegend im Elternhaus oder in der Kita bzw. Schule verbringen. 

 

Soziale-Schwierigkeiten-Marte-Meo

 

Bei Marte Meo werden bewusst Alltagssituationen gefilmt, weil der Alltag die Kinder am nachhaltigsten beeinflusst.

Einzelne Therapien können wichtige ergänzende Hilfen bei besonderen Schwierigkeiten sein.

Ein Alltag mit Kindern besteht aus stetig wechselnden Situationen. Es können grob zwei Arten von Situationen unterschieden werden. Einmal Situationen, die Kinder eigenständig gestalten, z. B. Spielsituationen. Zum anderen Situationen, in denen Kinder den Ideen anderer folgen sollen, z. B. den Anleitungen der Eltern über die Gestaltung des Tagesablaufes und der dazugehörenden Aufgaben wie das Aufstehen, Anziehen, Essen usw.

Man kann auch von „freien“ und „strukturierten“ Situationen sprechen. In freien Situationen entwickeln Kinder ihre Vorlieben und Interessen und bilden eine eigene Persönlichkeit aus. Das gelingt besonders dann, wenn die Erwachsenen gelernt haben, in solchen Situationen den kindlichen Initiativen zu folgen und sie zu bestätigen.

In strukturierten Situationen lernen Kinder, sich sozialen Situationen anzupassen. Das wiederum gelingt besonders dann, wenn die Erwachsenen gelernt haben, die Kinder positiv anzuleiten, z.B. zu sagen, was diese im nächsten Moment tun können.

Im alltäglichen Wechsel von freien und strukturierten Situationen erwerben Kinder im Laufe ihrer Entwicklung Handlungskompetenz und -sicherheit.

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Dr. Christian Hawellek

Dieser Gastbeitrag stammt von Dr. Christian Hawellek, Leiter des Norddeutschen Marte Meo Instituts.

In den nächsten beiden Beiträgen beschäftigt sich Herr Dr. Hawellek mit der Kraft der Bilder und mit dem positiven Vorbild bei Marte Meo. Haben Sie Fragen oder Kommentare? Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion und treten Sie mit uns in Kontakt.

 
 
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