Entwicklungsdokumentation in der Kita – kann Arbeit Spaß machen?

Haben Sie Spaß an Ihrer Arbeit?

Ich gebe zu, diese Frage ist etwas provokant. Denn die Frage nach dem „Spaß“ stellt man sich wahrscheinlich selten angesichts langer To-Do-Listen.

Oder anders ausgedrückt: Die Frage, ob einem etwas Spaß macht, ist nicht unbedingt der entscheidende Faktor, ob man eine bestimmte Aufgabe erledigt oder nicht, denn oft muss man einfach.

Nur wie sieht es da mit Dingen aus, die nicht fest vorgeschrieben sind, sondern im eigenen Ermessen liegen, ob und wie genau man sie durchführt?

Letzte Woche saß ich mit meinen Kollegen bei einem Brainstorming zusammen. Wir beschäftigten uns mit Fragen, die rund um das Bildungssystem in Deutschland auftauchten. Unter anderem überlegten wir uns, mit welchen Aussagen und Fragen wir gerne einmal die unterschiedlichsten Akteure konfrontieren würden.

 

brainstorming bei ergovia

 

Und neben sehr vielen systematischen Fragen, tauchte auch an vielen Stellen immer wieder diese eine Frage auf – die Frage nach dem Spaß.

Klar, man könnte diese Frage einfach mit Ja oder Nein beantworten. Somit wäre sie nichts Besonderes, eine Frage wie jede andere auch.

 

Doch was wäre, wenn…

 

  • … man seine Antworten einmal hinterfragen würde? 
  • … der Spaß nicht auf Anhieb sichtbar wäre?
  • … Arbeitsschritte, die oberflächlich als lästig abgetan werden, doch eigentlich auch Spaßfaktoren wären?
  • … mit einer Haltungsänderung der Spaß in eine graue, unliebsame, ja sogar lästige Tätigkeit gebracht werden könnte?

 

Ich musste da an den Blogbeitrag der letzten Woche denken: Prof. Dr. Knauf erzählte im Interview, dass Entwicklungsdokumentation meistens als Pflichtübung betrachtet wird. Als Papierkram, oder wie sie es in Bezug zu Kornelia Schneider nannte, als Buchhaltung der Fachkraft.

Was wäre, wenn man konkret an diesem Thema der Entwicklungsdokumentation dieses negative Gefühl der Lästigkeit in ein positives Gefühl umwandeln könnte? Kann man Spaß an der Entwicklungsdokumentation haben?

Ich glaube ja!

Beginnen wir einmal mit dem Wort Spaß. Der Wortherkunft nach kommt Spaß vom italienischen spasso, was Zeitvertreib und Vergnügen bedeutet.

 

Entwicklungsdokumentation = Zeitaufwand = Spaß?

 

So ganz scheint diese Gleichung nicht aufzugehen. Zwar nimmt die Entwicklungsdokumentation einen großen zeitlichen Rahmen ein, aber ich wage einmal zu behaupten, dass mir viele pädagogischen Fachkräfte vehement widersprechen würden, wenn ich sage, dass dieser „Zeitvertreib“ den Spaß ausmacht.

Also vielleicht einmal lieber das Vergnügen in den Fokus nehmen.

Spaß-an-der-Entwicklungsdokumentation-in-der-kita

Was bedeutet das nun übertragen auf meine Arbeit der Entwicklungsdokumentation?

 

5 Tipps für mehr Spaß bei der Entwicklungsdokumentation

1. Freude am direkten Handeln empfinden:

Mir macht es Spaß, Kinder zu sehen, die mit Freude und Eifer dabei sind, neue Dinge zu erlernen und sich an den kleinsten Kleinigkeiten erfreuen können.

Und gerade diese Beobachtungen bilden ja de Grundlage der Entwicklungsdokumentation.

Es geht nicht einfach darum, einen Bogen nach einem Schema abzuhaken, sondern die Individualität des Kindes wahrzunehmen. Das wahrzunehmen, was das Kind besonders macht. Das bewusst zu sehen, was mich zum Schmunzeln bringt, was bei mir Ver- oder Bewunderung auslöst, das, was mich am Handeln des Kindes fasziniert.

Dazu braucht es auch nicht immer konstruierte Situationen, in denen ich das Können der Kinder nahezu „abfrage“. Die Kinder zeigen sich in den alltäglichsten Handlungen. Darum ist es auch wichtig, dass diesen alltäglichen Handlungen gezielt Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das ist möglich, wenn man sich beispielsweise „Beobachtungszeit“ nimmt. Ein Zeitfenster, in dem man nicht anderes machen kann, außer konzentriert das Handeln eines Kindes zu beobachten.

Selbstverständlich ist hierfür eine gute Kommunikation mit dem Team, aber auch mit den Kindern notwendig, damit man diese Beobachtungszeit auch möglichst ungestört ausfüllen kann. Denn nur so kann man die Handlungen voll auf sich wirken lassen. Diese hält man dann wiederum in Notizen fest. Ebenso sind aber auch Fotos, Video- und Tonaufnahmen eine hervorragende Möglichkeit, um die Beobachtungen auch im Nachhinein noch erlebbar zu machen.

Wenn man diesen Ratschlag beherzigt, dann hat man schon die erste Hürde genommen.

Denn: es macht absolut viel Spaß, sich von den Kindern überraschen zu lassen, deren Handlungen aufzunehmen und sich auch an den kleinen Besonderheiten zu erfreuen.

 

2. Die Freude Anderer steigern

Gerade Kinder haben an der Entwicklungsdokumentation großen Spaß. Sie fragen sich, wie?

Nun, es versteht sich von selbst, dass man sie dazu in den Prozess der Dokumentation einbinden muss. Die Kinder dazu zu motivieren ist dabei keine große Herausforderung, denn jeder neue Entwicklungsschritt ist für sie ein Erfolgserlebnis. Sie freuen sich, wenn dieser die entsprechende Aufmerksamkeit bekommt. Kinder wollen lernen, Kinder wollen wachsen. Sie wollen mehr und mehr „zu den Großen“ gehören.

Das merkt man an dem unglaublichen Mitteilungsbedürfnis der meisten Kinder. „Schau mal, das hab´ ich gemalt! Guck mal, wie ich hüpfen kann! Komm mal, ich zeig´ dir, was ich gebaut hab´!“

Die Kinder sind in diesem Momenten Stolz auf ihre Leistungen und suchen die Bestätigung anderer Personen. Zum einen, um in ihrer Leistung bestärkt zu werden, zum anderen aber auch einfach, um die eigene Freude zu teilen. Zieht man als Beispiel nun wieder eine freie Dokumentationsmethode, wie die Portfolioarbeit, heran, so kann man eben solche Momente auch festhalten.

Ich signalisiere dem Kind: Deine Leistung ist so toll und wichtig, dass ich sie schriftlich, bildlich oder tonal festhalte! Dadurch kann ich die Freude des Kindes noch weiter steigern.

 

3. Den Sinn an der Tätigkeit erkennen:

Zunächst einmal muss ich mir als Erzieher klar darüber sein, warum die Entwicklungsdokumentation wichtig ist. Warum ich beobachten und dokumentieren soll und dass die Dokumentation in der Kita nicht nur der Vorschrift wegen geschehen muss.

Und dabei ist es nicht allein ausschlaggebend, dass ich für mich erkannt habe, dass meine Beobachtungen die Grundlage meiner weiteren pädagogischen Handlungen bestimmen. Ebenso müssen meine Kollegen und die Eltern diesen Mehrwert begreifen, damit das Thema Entwicklungsdokumentation nicht andauernd infrage gestellt und dadurch zu einem lästigen Thema wird.

Ist das Ziel einer Beobachtung und deren Dokumentation klar, so erscheint mir diese nicht mehr als sinnlose Mehrarbeit, sondern ich habe das befriedigende Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Diese Erkenntnis allein ruft in mir schon ein positives, euphorisierendes Gefühl aus.

Meine Arbeit trägt zu einer guten Entwicklung des Kindes bei!

Ich bin aktiv daran beteiligt, dass jedes einzelne Kind Wertschätzung erfährt und in seinen Fähigkeiten gestärkt wird. Ich bin für einen Zeitraum der Wegbegleiter des Kindes. Ich ebne seinen Weg für eine gute Zukunft.

 

4. Etwas produzieren, das mich zufrieden stellt:

Das Ziel meiner pädagogischen Arbeit ist es, jedem Kind die bestmöglichen Entwicklungschancen zu bieten. Doch wie kann ich garantieren, dass ich das auch erreiche? Wie kann ich überprüfen, ob meine Arbeit erfolgreich ist, ob meine Absichten Früchte tragen?

Durch Dokumentation! Diese ermöglicht mir, auch über viele Wochen und Monate hinweg, den Entwicklungsverlauf nachzuverfolgen. Ich kann sehen, wie meine Angebote bei einem Kind neue Entwicklungsschritte angestoßen haben. Ich kann sehen, wie meine gesetzten Impulse bei einem Kind auf Interesse gestoßen sind. Und ich kann sehen, wie der Rahmen, den ich den Kindern bereitstelle, ihnen jeden Tag den notwendigen Rückhalt zum Ausprobieren neuer Dinge gibt.

Die Reflexion meiner Handlungen, die durch die Dokumentation ermöglicht wird, bietet mir Sicherheit. Ebenso benötigt es zum Anfang aber auch eine gute Einarbeitung in die Materie. Schließlich ist die Beobachtung und deren Dokumentation auch eine Arbeit, die es erst zu erlernen gilt. Neben einer guten Ausbildung empfiehlt sich hier die kontinuierliche Weiterbildung. Sei es durch Workshops oder Einlesen in die Fachliteratur. Ebenso hilft auch der Austausch mit anderen Kollegen und Kolleginnen und ein Leitfaden innerhalb der eigenen Einrichtung, an dem man sich orientieren kann.

Ich denke, damit ich mit meiner Entwicklungsdokumentation zufrieden bin, ist es am wichtigsten, sich nie ganz zufriedenzugeben. Das mag paradox klingen. Aber wenn ich weiß, dass ich immer auf der Suche nach neuen Ansatzpunkten und offen für die Impulse anderer Menschen bin, dann laufe ich nicht Gefahr, mich in einem System festzufahren, das möglicherweise gar nicht mehr zu meiner gegenwärtigen Situation passt.

Jeder Entwicklungsschritt, den ich am Kind feststellen kann, erfüllt mich mit Freude. Und die Erkenntnis darüber, dass ich genau weiß, was ich warum notiere und dass ich meine Arbeit sehr gut erledige, erfüllt mich mit großem Stolz und Zufriedenheit. 

 

5. Es meine Zukunft positiv beeinflusst:

Mit jeder Entwicklungsdokumentation, die ich anfertige, werde ich besser in meinem Tun. Ich entwickle einen Expertenstatus und kann mich in Zukunft viel präziser mit anderen Kollegen oder den Eltern über die Entwicklung der Kinder austauschen. Mein Fachwissen verschafft mir Anerkennung bei den anderen. Ich selbst merke aber auch, dass ich die Welt bewusster wahrnehme. Meine Beobachtungsgabe wird immer geschärfter. Ich entwickle selbst ein Gespür für bestimmte Situationen, kann Geschehenes schneller analysieren und Handlungen auch vorhersehen.

Diese Eigenschaften helfen mir auch außerhalb meiner Funktion als pädagogische Fachkraft. Sie begleiten mich in meinem Alltag und wirken sich positiv auf meine Zukunft aus.

 

Spaß und Qualität

Mir war es heute wichtig, die Entwicklungsdokumentation auch einmal von einer anderen Sichtweise aus präsentieren zu können. Die Debatten um mehr Qualität sind stetig allgegenwärtig. Natürlich ist mir die Qualität nach wie vor ein großes Anliegen. Ich finde aber, dass oftmals Qualität mit mehr Arbeit und mehr Arbeit mit mehr Stress gleichgesetzt wird. Und eben diese Annahmen wollte ich gerne auflösen.

Mehr Qualität heißt nicht unbedingt mehr Arbeit, sondern andere Arbeit. Oder auch ganz einfach eine andere Haltung zu seiner Arbeit einzunehmen.

Und wenn diese Haltung ist, auch einmal den Spaß zu suchen! Denn wenn mir etwas Spaß macht, dann mache ich es gut!

Ich würde mich freuen, wenn bei dem einen oder der anderen künftig der Satz „Auch das noch!“, öfter durch ein „Schön, dass wir uns dafür jetzt Zeit nehmen können!“ ausgetauscht wird. Ich denke, wenn wir diese Haltung einnehmen können, dann sind wir auf einem guten Weg!

 
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2 Gedanken zu „Entwicklungsdokumentation in der Kita – kann Arbeit Spaß machen?

  1. Danke für den wertvollen Beitrag. In einem so spannungsvollen Feld wie das pädagogische ist er meinen Arbeitsalltag bestärkend und anregend.

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