Eingewöhnung – wenn für Eltern eine aufregende Zeit beginnt… #Kita_Talk

Gerade befinden sich die Kindertagesstätten in Deutschland wieder mitten in der Eingewöhnungszeit. Die Erzieher haben sich Ideen überlegt, wie sie neuen Kindern den Anfang möglichst leichtmachen und wie sie die Eltern einbinden können. Einige haben keine feste Vorgehensweise, andere orientieren sich an speziellen Modellen, wie dem Münchener Eingewöhnungsmodell oder dem Berliner Eingewöhnungsmodell. Wie wichtig die Eingewöhnung für die Kinder – UND für die Eltern – ist, das ist Thema des heutigen Kita-Talks.

#Kita_Talk #Teil 2: 

Eingewöhnung – wenn für Eltern eine aufregende Zeit beginnt…

 

Abtrennung OrangeBei Diskussionen höre ich oft: „Wir hatten damals auch keine Eingewöhnungszeit! Und uns hat es auch nicht geschadet!“

Auf diesen Punkt möchte ich genauer eingehen und denke an meinen eigenen Kita-Start zurück – auch da gab es noch keine gezielte Eingewöhnungs. Meine Mutter brachte mich zur Kita und ging wieder. Hat es mir geschadet? Auf keinen Fall. ABER  – und das ist wichtig – fand dies damals unter anderen Umständen statt!

Die Unterschiede zu heute waren:

  1. Die anderen Kinder, die mit mir in den Kindergarten kamen, waren bereits meine Freunde. Gerade in Großstädten kennt das Kind oft jedoch niemanden.
  2. Auch die Erzieherinnen und das Gebäude waren mir nicht neu: Ich hatte bereits mehrere Berührungspunkte durch unsere Eltern-Kind-Gruppe.
  3. Die Strukturen waren damals anders: Wir wurden in der Früh gebracht und vor dem Mittagessen geholt.
  4. Auch die Gruppendynamik war anders: Durch eine festgelegte Abholzeit konnten alle Erzieher mit uns die Gruppe verlassen und hatten für die Eltern genug Zeit für Tür-und Angelgespräche.
  5. Und natürlich darf man nicht vergessen, dass ich damals schon 3 Jahre war, als ich in die Kita kam.

Ich als Kind habe mich wohlgefühlt – doch wie ging es eigentlich meiner Mutter dabei?

Theresa Lill_stepfolio_Blog
„Wie geht es Eltern, wenn für ihr Kind die Kita-Zeit beginnt?“

Dieser Aspekt wird bei vielen Diskussionen selten betrachtet: Ein Elternteil, das sich davor intensiv um das Kind gekümmert hat, muss dieses von heute auf morgen an fremde Menschen abgeben.

Meine Mutter sagt mir: „Für uns Mütter war der Schritt damals schwer. Wir Mütter waren 3 Jahre bei unserem Kind und plötzlich gibst du die Verantwortung ab und weißt, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt, in dem dein Kind einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit macht.“ (Hier ist explizit von Müttern die Rede, denn meistens waren sie es, die die Kinder brachten und holten. Heutzutage werden die Väter immer präsenter in den Kindertagesstätten.) Diese Perspektive finde ich besonders interessant. Denn auch wenn die Eingewöhnung für das Kind besonders wichtig ist, möchte ich heute einmal die Perspektive auf die Seite der Eltern legen.

Welche Rolle nehmen die Eltern bei der Eingewöhnung ein? Welche Themen beschäftigen die Eltern? Und wie kann eine Eingewöhnung für Kind und Eltern gut gelingen?

Mit meinen Fragen bin ich auf Carola zugegangen, in deren Einrichtung gerade insgesamt 65 Kinder Stück für Stück eingewöhnt werden.Abtrennung Orange - Kopie                                                                       

 

 Wir gewöhnen bei uns die Kinder in Anlehnung an das Münchner Modell ein.

Carola Rittner_stepfolio_Blog
Carola Rittner (Kita-Leitung): „Wenn sich ein Elternteil beispielsweise einen Kaffee bei uns holt, dann gehen sie nicht einfach kurz, sondern nehmen das Kind mit.“

In den ersten Tagen sind die Kinder nur wenige Stunden in der Einrichtung. Dabei sind die Eltern durchgehend an der Seite ihrer Kinder. Die Aufenthaltsdauer wird langsam Tag für Tag gesteigert. Ab Tag 4 erleben Eltern und Kind dann den gesamten Tagesablauf mit: Sie kommen zur regulären Bringzeit, nehmen am Morgenkreis teil, Essen mit uns zu Mittag und – je nachdem, ob das Kind in der Einrichtung schläft oder nicht – wird das Kind auch bei uns schlafen gelegt.

Die Eltern sind dabei durchgängig anwesend.

Es gibt auch keine „zufällige“ Trennung. Wenn sich ein Elternteil beispielsweise einen Kaffee bei uns holt, dann gehen sie nicht einfach kurz, sondern nehmen das Kind mit. Frühestens nach dem sechsten Tag findet dann die erste Trennung statt.

Ich gebe immer die Empfehlung ab, dass beide Elternteile bei der Eingewöhnung für mindestens einen Tag dabei sein sollen. Und im Regelfall funktioniert das auch. Neulich erst hatte ich eine Eingewöhnung, bei der beide Elternteile durchgehend anwesend waren – die Elternzeit macht es möglich.

Und ja, es gibt einen Unterschied, ob die Mütter oder die Väter ihr Kind begleiten. Die Väter sind meist viel entspannter. Es sind eher die Mütter, für die die Trennung eine größere emotionale Herausforderung darstellt. Das lässt sich einfach nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass es meistens die Mütter sind, die bis dahin die Kinder den Großteil der Zeit betreut haben. Und diese Emotionen übertragen sich dann natürlich auch auf das Kind.                                                            

 

    Abtrennung Orange

Theresa Lill_stepfolio_Blog
„Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern müssen gezielt auf die Trennung vorbereitet werden.“

Hier hat sich über die Jahre hinweg also auch nichts verändert – die Trennung ist und bleibt nicht nur für die Kinder eine Herausforderung.

Auch die Eltern finden sich in einer Situation wieder, mit der die einigen leichter und die anderen schwerer umgehen können. Und hier spielen viele Faktoren mit hinein. Auf der einen Seite können sich die Eltern ihr Kind in der Gruppe schwer vorstellen: Wie fühlt es sich? Findet es seinen Platz? Geht das Kind in der Gruppe möglicherweise unter? Werden seine Bedürfnisse auch gesehen?

Sie wissen nicht, wie ihr Kind auf die Trennung reagieren wird, das macht viele Eltern unsicher. Sie möchten nicht, dass sich ihr Kind unwohl oder gar im Stich gelassen fühlt – das macht vielen Müttern und Vätern Angst. Das alles zeigt:

Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern müssen gezielt auf die Trennung vorbereitet werden.Abtrennung Orange - Kopie

 

Die Trennung findet bei uns immer ganz bewusst statt. Ein Herausschleichen der Eltern gibt es bei uns nicht.

Carola Rittner_stepfolio_Blog
 „Ein Herausschleichen gibt es bei uns nicht!“

Das Kind muss ja bewusst die Erfahrung machen, dass die Eltern gehen und dann auch wiederkommen. Es soll sich möglichst schnell daran gewöhnen, wie diese Trennung auch im Alltag aussieht. Der Ablauf sieht so aus: Das Kind wird morgens gebracht, es gibt ein kurzes Ankommen und danach folgt die Verabschiedung.

Wir sagen unseren Eltern immer, dass sie dem Kind mitteilen sollen, wohin sie gehen. Wichtig ist dabei, dass das Kind auch diese Handlung einordnen kann. Erklärt die Mutter, dass sie einkaufen geht, kann sich das Kind darunter etwas vorstellen. Ein „ich bin mal kurz weg“ hingegen würde bei dem Kind sehr viele Fragen und Unsicherheit erzeugen.

Die erste Trennung dauert circa eine halbe Stunde und läuft unter dem Aspekt ab: Kind wird gebracht – es findet eine Trennung zwischen Eltern und Kind statt – die Eltern kommen zurück und man geht gemeinsam heim. So kann sich das Kind nach und nach an diesen festen Ablauf gewöhnen.

 

Abtrennung Orange

Die Dauer der Trennung wird individuell immer weiter in die Länge gezogen, bis das Kind in seiner neuen Umgebung „angekommen“ ist. Im Regelfall dauert eine Eingewöhnung circa vier Wochen an. Es ist aber auch nicht ungewöhnlich, wenn ein Kind und dessen Eltern länger brauchen, bis sie sich mit der Trennung wohlfühlen. 

Theresa Lill_stepfolio_Blog
„Wichtig ist, dass alle Parteien, Kind, Eltern und Fachkräfte, ein gutes Gefühl haben und einander vertrauen.“

Wichtig ist, dass alle Parteien, Kind, Eltern und Fachkräfte, ein gutes Gefühl haben und einander vertrauen.

Das Vertrauen zwischen Erziehern und Eltern wird allein aufgrund der langen gemeinsamen Zeitspanne während der Eingewöhnungszeit erheblich gestärkt. Dadurch, dass die Eltern mehrere Tage, mehrere Stunden in der Einrichtung verbringen, lernen sie die tatsächliche Arbeit der Fachkräfte, ihren Umgang mit den Kindern und ihre Persönlichkeit kennen.

Und sie erleben den tatsächlichen Alltag mit allen Herausforderungen und merken plötzlich selbst, wie anstrengend die tagtägliche Arbeit mit Kindern sein kann. Sie bekommen mit, wie es ist, wenn plötzlich viele Kinder auf einmal ein Bedürfnis haben, und sehen Essenssituationen, bei denen die Erzieherin einfach nur damit beschäftigt ist, 8 Kinder auf einmal davon abzuhalten, ihr Essen in Trinkgläser zu schaufeln. Zudem sind die Eltern den ganzen Tag vielen Reizen und einem ungewohnten Lärmpegel ausgesetzt – das alles sorgt dafür, dass für die Eltern die Eingewöhnung kein Kinderspiel darstellt. Im Gegenteil, viele nehmen es als sehr anstrengende Phase wahr. Die Eltern sehen, was die Erzieherinnen Tag für Tag leisten und wie sie bei allen Reizen versuchen, immer jedem Kind gerecht zu werden. Diese Erfahrungen lassen bei den Eltern ein höheres Verständnis und eine größere Wertschätzung für die Arbeit des Kitapersonals aufkommen.Abtrennung Orange - Kopie

 

Auch zu diesem Aspekt fällt mir eine kleine Geschichte ein:

Bei uns gab es mal eine Mutter, die die Eingewöhnung ihres 1 1/2jährigen Jungen in einer anderen Einrichtung abgebrochen hatte, da sie sich dort unwohl gefühlt hat. Bei so einer Vorgeschichte geht man natürlich noch einmal etwas sensibilisierter in die Eingewöhnung hinein.

Carola Rittner_stepfolio_Blog
„Der Umgang mit den Kindern war stets liebevoll.“

Der erste Tag der Eingewöhnung für das Kind beginnt – und was ist passiert? Natürlich ist erst einmal die Hälfte des Personals krank. Hinzu kommt, dass auch das Team noch in einer Findungsphase war, wie es ja meist durch die neuen Praktikanten und zukommenden Personalwechsel am Anfang eines Kitajahres der Fall ist. Und zu guter Letzt gab es ja auch noch einige andere neue Kinder, die selbst ihren Platz in der Gruppe noch nicht ganz gefunden hatten.

Kurzum: bei uns in der Einrichtung herrschte absolutes Chaos, welches die Mutter über die ganzen Tage der Eingewöhnung hinweg ungeschönt mitbekommen hat. Ich rechnete jeden Tag damit, dass eine Kündigung auf meinem Schreibtisch landen wird. Aber nein, das Kind wurde ohne Unterbrechungen eingewöhnt. Nach ein paar Wochen, als auch bei uns mehr Ruhe eingekehrt war, habe ich diese Mutter nochmals auf die Eingewöhnungsphase angesprochen, da ich doch sehr verwundert war, dass sie diese nicht abgebrochen hatte.

Sie bestätigte mir den Eindruck, dass viel Chaos vorherrschte, doch für sie war ein Punkt ganz bedeutend:

Egal, wie chaotisch die ein oder andere Sache wirkte, eines konnte man jederzeit erkennen – dass die Kinder und deren Wohlbefinden bei uns im Mittelpunkt stehen. Und egal, wie gestresst das Personal war, der Umgang mit den Kindern war stets liebevoll und es wurden keine persönlichen Befindlichkeiten auf die Kinder übertragen.

Ist diese Erkenntnis nicht wahnsinnig wertvoll? Mich hat es zumindest sehr gefreut, dass diese Mutter genau das erkannt hat. Und soll ich dir etwas sagen? Würden wir den Eltern nicht einen solch tiefen Einblick in unsere Arbeit geben und würden wir ihnen nicht auch zeigen, was passiert, wenn eben mal nicht alles läuft, dann würde mit Sicherheit nicht ein solch tiefes Vertrauen entstehen.

 

oranger Balken

Im #Kita_Talk:

Kinder auf dem Motorrad_stepfolio_Blog

Die Kindergartenfreundinnen Theresa Lill (M.A. Frühpädagogik, inklusive Theaterpädagogik) und Carola Rittner (staatl. anerkannte Erzieherin, B.A. Sozialpädagogik) heckten schon früher gemeinsam Streiche aus und stellten damit ihre Kita auch schonmal auf den Kopf… Diese Zeit ist sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass beide beruflich dem Kita-Alltag treu geblieben sind.

 

oranger Balken

 

 

 

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