Vernetzen statt Verheddern – ein Interview mit Marco Kierstan

Den Monat Mai stelle ich unter das Motto „Netzwerken“, da ich gemerkt habe, wie sehr dieses Thema in den Kindertagestätten eine Rolle spielt. Hierzu habe ich drei Fachexperten im Interview.

Den Anfang bildet Marco Kierstan, Pädagoge und Mitarbeiter im Programm Qualität vor Ort der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. In weiteren Beiträgen werden Barbara Blum, ebenfalls vom DKJS sowie Lena Schröder-Dönges von Impulsstark, weitere Aspekte des Themas „Netzwerken“ beleuchten.

Das komplette Interview gibt es auch zum Anschauen:

Wie kann man von einem Netzwerk profitieren?

Was ich ganz wichtig finde, ist das Geben und Nehmen. Das, was man ins Netzwerk hineingibt, bekommt man auch heraus. Das heißt, man sollte investieren und man sollte auch auf Nachhaltigkeit aus sein. Je mehr ich investiere, desto mehr bekomme ich auch heraus. Zum anderen entstehen im Netzwerk Synergien und diese Synergien können für Probleme, Vorhaben, Projekte, die auch mal kurzfristig anfallen können, genutzt werden, aber natürlich primär für das Erreichen des Netzwerkziels.

Marco Kierstan Interview ergovia 10

Zum anderen haben wir Ansprechpartner, die idealerweise auf unterschiedlichen Hierarchiestufen angeordnet sind. Das heißt, ich habe einen Mailkontakt, ich habe einen Telefonkontakt zu jemandem aus dem Landratsamt, zu jemandem aus einer anderen Verwaltung und habe einen relativ kurzen Weg, was das Ansprechen von Problemen oder Ideen anbelangt.

Dann gibt es im Netzwerk idealerweise Erfolge, wir können Erfolge feiern und Erfolge auch messen.

Das ist ein Punkt, der sehr stark auch zur Akquise genutzt werden kann.

Erfolge-publik-machen-Kierstan-stepfolio-Blog

Es kommt natürlich auch noch der Punkt des Perspektivenwechsels mit dazu. Im Netzwerk haben wir drei, vier, oder noch mehr Partner und man bekommt verschiedene Perspektiven auf ein Vorhaben, auf eine Problematik, auf eine Fragestellung und kann dadurch auch seinen eigenen Erfahrungshorizont erweitern, indem man sieht: „Ah, stimmt. Aus der Blickrichtung habe ich das noch gar nicht betrachtet.“

                               

Welche Faktoren gilt es zu berücksichtigen?

Neben dem Netzwerkziel ist es auch wichtig, eine Netzwerkidee zu haben und eine Netzwerkidentität zu entwickeln.

Das kommt zu Stande, indem wir immer stärker zusammenarbeiten, indem man immer mehr ineinandergreift und indem sich auch Erfolge einstellen.

Dadurch kann sich eine Identität entwickeln, die ich dann auch nach außen tragen kann.Konflikte-innerhalb-des-Netzwerkes-Marco-Kierstan

Natürlich wird es nie ein Netzwerk geben, das reibungslos funktioniert. So sollte ein Konflikt immer professionell bearbeitet, kommuniziert und kommunikativ begleitet werden.

Wenn das passiert, dann bekomme ich weitere Ressourcen und Erfahrungen, wie ich mit diesem Problem umgehe. Sollte es noch einmal auftreten, so weiß ich schon, wie ich mich verhalten muss. Ich lerne, wie ich diese Ressourcen, die ich mir dadurch erarbeite, auch in anderen Bereichen einsetzen kann.

Marco Kierstan Interview ergovia 4

Wenn wir ein Netzwerkziel haben, kann das ein sehr kurzfristiges Ziel sein, was auch sehr leicht zu erreichen ist – aber das ist eigentlich fast nie der Fall. Wenn wir ein Netzwerk haben, zumal mit sehr vielen Partnern, haben wir natürlich ein Ziel, das zunächst sehr abstrakt wirkt.

Etappenziele-beim-Netzwerken-Marco-Kierstan

Wie kann man ein stabiles Netzwerk entstehen lassen?

Was vor allen Dingen für mich wichtig ist, bevor man sehr stark ins Arbeiten geht, was Stakeholder-Analysen und so etwas anbelangt, ist der Punkt, dass ich mich individuell damit auseinandersetze. Das heißt, dass ich eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Netzwerk pflege, gegenüber Partnern, mit denen ich kommuniziere, gegenüber ihren Interessen, gegenüber Rahmenbedingungen, die herrschen. Dass ich das alles mit einbeziehe und demgegenüber wertschätzend auftrete.

Und zum anderen, dass man verlässliche Partner hat. Man arbeitet zwar mit Institutionen, mit Vereinen, mit Trägern, mit Kommunenvertretern zusammen, das sind quasi in erster Linie natürlich schon verlässliche Institutionen. Jedoch machen sich diese aber an einzelnen Personen fest, die für das Netzwerk, für diesen Netzwerkakteur stehen. Da ist es wichtig, ein gemeinsames Commitment zu haben. Egal, ob man sich ein langfristiges Ziel setzt, häufig bei Bundesprogrammen, oder man sich bei freien Programmen überhaupt kein Zeitziel setzt:

Die Hauptsache ist, dass  man stabil zusammenarbeiten kann und immer wieder die gleichen Ansprechpartner hat, um das Netzwerk somit weiter am Leben zu erhalten.

Marco Kierstan Interview ergovia 2

Welche Partner sollten im frühkindlichen Bereich eingebunden werden?

Ich betrachte das Ziel des Netzwerks: „Wo will ich hin? Was ist meine Idee? Was ist mein Ziel, das ich verfolge mit diesem Netzwerk?“ Anhand dessen kann ich natürlich auch meine Partner besser akquirieren, besser auswählen. Ich weiß, wen ich ansprechen muss. Wenn man von der Einrichtung an sich ausgeht, als dem Hort der Qualität, der Interaktionsqualität mit den Kindern, so gibt es natürlich in der Nah- und Fernperipherie unterschiedliche Partner:

  • Im nahen Bereich ist es die Einrichtung selber, das heißt, ich muss mein gesamtes Team mit dabeihaben, mitziehen und überzeugen können. Wenn Konflikte auftreten, muss ich versuchen, diese zu klären, sodass man auf jeden Fall hinter der gleichen Idee steht.
  • Die nächsthöhere Ebene wäre dann für mich die Träger der Einrichtungen und da auch die Vernetzung der Einrichtungen untereinander. Das ist größtenteils schon gegeben durch Leitungskonferenzen etc. Aber Leitungskonferenzen machen sich mehr an Institutionen beziehungsweise an Personen fest, wobei ein Netzwerk eher über die Idee, über die Inhalte kommt.
  • Weitergehend haben wir die Kommune als eine Struktur, als eine Ebene, die es ermöglicht, Rückkopplungen zu bilden an Verwaltungsvorgängen und schlussendlich auch an politischen Prozessen.
  • Dann kommen wir langsam in diesen Aufziehungscharakter, sodass wir zum Beispiel die Eltern haben als einen Akteur, als einen Stakeholder, die aus meiner Sicht in zweierlei Art auftreten können. Zum einen als die Eltern der Kinder, die in der Einrichtung sind oder auch als die Eltern, wie sie bei mir im Nahraum vorhanden sind. Und zum anderen institutionalisiert als Elternvertretungen in der Kita oder auch in einem größeren Zusammenschluss.Marco Kierstan Interview ergovia 12

 

Weiterhin kann man bei den anderen Partnern noch unterteilen in den sozialen Bereich, Beratungsbereich, medizinischen Bereich:

  • Im sozialen Bereich würde ich so etwas sehen wie eine Familienberatungsstelle, Familienstützung und Familienbildung. Vielleicht auch noch ein bisschen weitergehend hinsichtlich der Bildung einer Volkshochschule beispielsweise.
  • Im Beratungsbereich kann man Experten hinzuziehen für Spracherwerb, Bewegung oder Ernährung.
  • Und im medizinischen Bereich wären das zum Beispiel die Kinderärzte.

Um ein Stück weit auch noch in der Profession der Kita zu bleiben, gibt es die Kooperation mit der Kindertagespflege. Ein Beispiel für ein Thema wäre die Randzeiten mit der Kita abzusprechen, gerade wenn es viele Eltern gibt, die sehr früh oder sehr spät arbeiten müssen. Und dann, wenn man sich die aktuelle Situation in Deutschland ansieht, wären das Personen wie Dolmetscher und Kulturvermittler, die den Einrichtungen zur Verfügung stehen, um so mit geflüchteten Kindern und ihren Eltern in die Interaktion treten zu können.

Vielen Dank, Herr Kierstan, für Ihre Erläuterungen! Ums Netzwerken geht es auch im nächsten Interview. Dieses werde ich mit Barbara Blum führen, ebenfalls Mitarbeiterin bei Qualität vor Ort der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

 

 
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