Partizipation im Kontext der Portfolioarbeit – ein Interview mit Marion Lepold

Letzte Woche sprach Christine Krijger-Böschen im ergovia Expertenforum zum Thema „Partizipation der Kinder“. Heute freue ich mich darauf, mit Marion Lepold die Partizipation im Kontext der Portfolioarbeit zu betrachten.

Marion Lepold ist Trainerin und Coach für die Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten. Sie ist Expertin für digitale Inklusion und neue Medien in der Kita und Autorin mehrerer Fachbücher, u.a. zu den Themen Partizipation und Portfolioarbeit im Kontext digitaler Medien.

Das komplette Interview gibt es auch zum Anschauen:

Was bedeutet Partizipation im Kontext der Portfolioarbeit?

Es ist eines der zentralen Elemente. Findet keine Partizipation bei der Portfolioarbeit statt, fehlt einfach ein ganz wesentlicher Teil. Denn es fehlt die Perspektive von zwei wichtigen Bildungspartnern: Es fehlt die Perspektive des Kindes und es fehlt die Perspektive der Eltern. Diese gilt es mit einzubeziehen in das Portfolio, um ein möglichst ganzheitliches Bild des Kindes zu kriegen. Dazu müssen Eltern und auch Kinder mit einbezogen werden.

Welche konkreten Ansätze ergeben sich aus der Portfolioarbeit?

Das kann ganz vielfältig sein. Das kann bei der Erstellung des Portfolios beginnen, um dort die Kinder mit einzubeziehen. Und es kann weitergehen, mit den Eltern Tür-und-Angel-Gespräche zu führen und dort einfach das Portfolio als Basis zu nehmen. Genauso können aber auch die Eltern einbezogen werden, zum Beispiel indem sie selbst eigene Seiten mitgestalten, sodass sich im Portfolio die Lebenswelten treffen.

Es ist ein ganz großer Vorteil bei der Portfolioarbeit, wenn auch die Eltern mit beteiligt werden. Im Portfolio soll auch die Lebenswelt Familie mit einbezogen werden und Eltern dazu angeregt werden, Familienseiten zu gestalten und über Erlebnisse, die zu Hause passieren, zu schreiben. Alle diese wichtigen Erfahrungen, die das Kind auch im heimischen Umfeld mit der Familie macht, mit ins Portfolio einfließen zu lassen. Die Fachkräfte erhalten, wenn sie die Kinder und die Eltern partizipieren lassen, nochmal einen ganz neuen Blick auf die Kinder und auf die Entwicklung des Kindes. Das ist etwas sehr Wertvolles, was Partizipation in der Portfolioarbeit ermöglicht.

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Wie wird Portfolio in verschiedenen Einrichtungen bisher eingesetzt?

Das ist wirklich vielfältig. Man erlebt immens große Unterschiede in der Art, wie Portfolio eingesetzt wird: Vom Entwicklungsportfolio bis hin, ich sage jetzt mal, zum Fotoalbum, das wirklich mehr aus Fotos besteht und weniger den Bildungsprozess im Blick hat. Da ist eine ganz große Bandbreite zu finden. Häufig begegnen mir Einrichtungen, die gerne mit Portfolio arbeiten würden, sich aber davor scheuen, weil der Aufwand, der dahintersteckt, für viele zu groß ist und es dann bei dem Wunsch bleibt, Portfolio einzusetzen.

Ich plädiere dafür, Portfolios anders einzusetzen. Sie nicht als etwas Zusätzliches zu sehen, sondern als Teil der Bildungsarbeit. Sie in den Alltag zu integrieren und damit nicht den Fall zu haben, dass man sagt, jetzt hat man noch etwas, was in der Vor- und Nachbereitungszeit zu tun ist, sondern im Sinne eines dialogischen Portfolios im Alltag die Situationen, die es eh schon gibt, zu nutzen. Da können die digitalen Medien ein super Hilfsmittel für die Einrichtungen sein, die auch eine ganz neue Form der Partizipation ermöglichen, allein dadurch, dass eine Unmittelbarkeit gegeben ist. Da denke ich an ein Tablet, das etwas sehr Kinderfreundliches und einfach zu bedienendes Mittel ist. Es gibt Einrichtungen, die sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben, denn die Partizipation der Kinder in der Portfolioarbeit ist dadurch noch einmal eine ganz andere.

Man kann das Ganze natürlich weiterdenken und weiterentwickeln: Nicht nur die Kinder durch die digitalen Medien in die Portfolioarbeit mit einzubeziehen, sondern auch die Eltern. Die Medien sind in den meisten Familien, wenn man sich die Statistiken anschaut, inzwischen vorhanden. Das bietet natürlich die Möglichkeit, dass Eltern ganz einfach mal ein Bild oder einen Eintrag über ihr Tablet oder ihr Smartphone machen können. Da ist es natürlich sehr viel einfacher für die Eltern, sich zu beteiligen, als wenn ich erst ein Foto machen muss, es dann entwickeln muss oder einen Drucker brauche, der mir das dann ausdruckt.

Das ist alles aufwändig und viele Eltern, die heute ihre Kinder in Betreuung geben, sind einfach belastet durch Arbeit und Familienleben. Es ist schon eine ganz schöne Menge, die da abzuarbeiten ist für die Familien. Portfolioarbeit mit digitalen Medien bietet die Möglichkeit, den Eltern einen Zugang zu schaffen, der einfacher zu verwirklichen ist im Alltag.

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Wie können digitale Medien die Partizipation der Kinder unterstützen?

Grundsätzlich muss ich sagen, ich bin ein Befürworter von digitalen Medien in Kitas. Digitale Medien sind heute ein wesentlicher Bestandteil unserer Lebenswelt und damit gehören sie für mich, ganz wichtig, auch in die Einrichtungen. Die digitalen Medien bieten den Einrichtungen die Möglichkeit, mit einem ganz einfachen Hilfsmittel die Portfolioarbeit zu erledigen. Das heißt, für mich geht es weniger darum, alles nur noch digital zu haben, sondern sich diese digitalen Medien zum Werkzeug und zum Hilfsmittel zu machen, um das, was ich tun möchte, einfacher zu machen.

Sei es, die Fotos aufzunehmen. Da kann ich ganz einfach die Kinder beteiligen, ich kann das gemeinsam mit ihnen gleich auf einem schönen, großen Display angucken und schauen: „Möchtest du das Bild in deinen Portfolioordner mitnehmen? Möchtest du es nochmal aufnehmen?“ Dadurch können die Kinder an der Entstehung partizipieren, ihnen wird eine Stimme gegeben. Das fängt damit an, dass ich einfach aus der Situation heraus, gemeinsam mit den Kindern notieren kann: „Was war dir in der Situation wichtig?“

Genauso bieten die digitalen Medien natürlich weitere Ebenen. Wo ein analoges Portfolio nur die Ebene Papier hat oder etwas zu sammeln, habe ich mit einem digitalen Portfolio plötzlich die Möglichkeit, Sprachaufnahmen oder Videoaufnahmen zu machen. Das heißt, ich kann die Entwicklung des Kindes auf ganz anderen Ebenen darstellen. Daran wertvoll finde ich, dass die Einrichtungen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn ich habe gleich eine Medienkompetenzförderung mit dabei. Wenn man sich die Bildungspläne der Länder anschaut, ist die Medienkompetenz in quasi allen Bildungsplänen fest verankert. Hier haben die Einrichtungen die Möglichkeit, die Kinder ohne großen Zusatzaufwand an die Medien heranzuführen. Kinder lernen die Medien unter einem neuen Aspekt kennen, nämlich nicht als Spielinstrument, sondern als Arbeitsinstrument. Das finde ich für die Kinder und für die Einrichtungen sehr wertvoll.

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Mehr Informationen zu Marion Lepold erhalten Sie auf ihrer Website.

 
 
 

 

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