Das 1×1 für gelungenes Netzwerkmanagement – ein Interview mit Barbara Blum

Das Interview mit Marco Kierstan („Vernetzen statt Verheddern“) gab schon einen ersten Einblick in die Thematik des Netzwerkens. Mit seiner Kollegin Barbara Blum gibt es heute Teil II der Serie „Netzwerken“.

Frau Blum ist Kommunikationswissenschaftlerin und Mitarbeiterin im Programm Qualität vor Ort der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Das komplette Interview gibt es auch zum Anschauen:

 

Frau Blum, wie kann man von einem Netzwerk profitieren?

Von einem Netzwerk kann im Prinzip jeder, der an dem Netzwerk teilhat, profitieren, weil die unterschiedlichen Akteure in einem Netzwerk alle unterschiedliche Kompetenzen haben.

Diese unterschiedlichen Kompetenzen sollte man kombinieren!

Zum Beispiel, ein Akteur hat ein bestimmtes Fachwissen, ein anderer Akteur hat aber den Zugang zur relevanten Zielgruppe, was ist da naheliegender, als dass sich die beiden zusammentun?

Dann ist es so, dass durch Netzwerke auch ganz extrem Doppelstrukturen vermieden werden können. Das bedeutet eben nicht: „Jeder muss das Rad neu erfinden!“, sondern man kann sich einfach zusammentun und spart dadurch Ressourcen und Mühe.

Man kann somit von den Fehlern und von den Erfolgen der anderen lernen.

Auch Konkurrenzen können durch ein gemeinsames Netzwerk abgebaut werden, denn die Konkurrenzsituation herrscht nicht mehr vor und die Beteiligten können an einem Strang ziehen. Jeder Akteur erweitert im Idealfall in einem Netzwerk seinen eigenen Handlungsspielraum.

Wenn ein Netzwerk einmal gut funktioniert, dann kann es sich nach einem abgeschlossenen Projekt im Prinzip auch neue Ziele setzen. Vielleicht in unterschiedlichen Zusammensetzungen.

Das Erfolgsrezept: Ein Team, welches einmal eingespielt ist und die Wege untereinander kurz sind.

  Barbara Blum Netzwerken 1

 

Wie kann man ein stabiles Netzwerk entstehen lassen?

Ganz wichtig ist die Stakeholder-Analyse, das heißt, alle Personen, die ein Interesse an dem Prozess oder an der Sache, die passieren soll, haben, müssen erstmal mitgedacht werden und dann, wenn möglich, auch mit eingebunden werden. Da ist es vor allem wichtig, dass sich keiner übergangen fühlt.

Wenn an einem bestimmten Teamfeld, an einem bestimmten Ort gearbeitet wird und weitere Beteiligte nicht anwesend sind, müssen diese entweder andersweitig eingebunden werden, und wenn das nicht gelingt, aber auf jeden Fall mitgedacht werden.

Ganz wichtig ist die Entscheiderebene. Die Entscheidungsträger müssen im besten Fall mit an Bord sein oder zumindest unterstützend unterwegs sein und von der Idee überzeugt sein, sonst wird es schwierig. Sonst hat das Netzwerk nicht so viele Handlungsmöglichkeiten.

Wichtig ist auch, dass man mit Klarheit an alle kommunizieren muss.

Zielsetzung-des-Netzwerks-Barbara-Blum-stepfolio-Blog

 

Was kann ich tun, damit sich das Netzwerk nicht schon vor der Zielerreichung auflöst?

In der Initiierungs- und Planungsphase ist eine sorgfältige Planung das A und O. Die schon erwähnte Stakeholder-Analyse sagt, dass man die relevanten Akteure identifiziert und einordnet: „Welche sind eher Unterstützer? Welche sind eher Hinderer? Welche stehen ganz im Zentrum vom Prozess? Welche weiter außen?“

Danach folgt die Zielsetzung, wir fragen uns: „Was ist unser wichtigstes Ziel? Welche Etappenziele gibt es?“

Zielvereinbarung

Zielsetzung klingt furchtbar einfach, ist aber tatsächlich ein sehr aufwändiger Prozess.

Meilensteinplanung wäre dann, dass man sich diese Etappenziele setzt, sich Deadlines setzt und Faktoren identifiziert, an denen man erkennen kann, dass das Ziel oder der Erfolg eingetreten ist, was dann im Prinzip auch als Kontrollinstrument funktionieren kann.

So nach der Art: „Check, das haben wir in dem Zeitraum geschafft!“ oder „Das haben wir nicht geschafft, da müssen wir vielleicht nächstes Mal für so etwas Ähnliches mehr Zeit einplanen.“

Zeitplanung ist auch ganz wichtig! Das heißt einerseits muss Zeit mitgedacht werden, falls man umdisponieren muss. Auf der anderen Seite ist es ganz wichtig, genügend Zeit und Raum einzuplanen für den Austausch zwischen den einzelnen Netzwerkpartnern und diesen auch fest zu installieren.

Am besten ganz verbindlich sagen: „Wir treffen uns jeden Monat am Montag um so und so viel Uhr!“ Und vielleicht auch ein elektronisch gestütztes Kommunikationssystem installieren, sodass dieses Treffen funktioniert und zwischen den einzelnen Netzwerkpartnern Verbindlichkeit herrscht.

Zielindikatoren-bei-Netzwerken-und-unparteiischer-Moderator-stefpolio-Blog

Das ist im Übrigen auch etwas, was wir in dem Programm „Qualität vor Ort“ als Unterstützung hereingeben in die Prozesse, die wir unterstützen.

Welche Faktoren gilt es zu berücksichtigen?

Dazu lässt sich sagen, dass auch hier alles steht und fällt mit der sorgfältigen Vorbereitung.

Das heißt, man muss sich vorbereiten, mit welchen Akteuren man es zu tun hat, welche Zielsetzung herrscht, man muss an die gegenseitige Wertschätzung, aber auch an die unterschiedlichen Interessen und Stärken der Netzwerkpartner denken usw.

Nur wenn man eine gründliche Vorbereitung leistet, lassen sich Stolpersteine, die vielleicht im Prozess auftauchen, leichter auffangen und überwinden.

Zum Beispiel, dass ein Unterstützer plötzlich zum Verhinderer wird, weil er sich vernachlässigt gefühlt hat oder weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Es gibt ein neues Gesetz oder es gibt in der Kommune einen neuen Bürgermeister, der das auf einmal nicht mehr so gut findet. Oder es stellt sich heraus, dass eine Person die ganzen Arbeitspakete schultert und die anderen sich eher zurücklehnen.

Bei der sorgfältigen Planung kann dem ein bisschen vorgebeugt werden. Und genau dann ist das Netzwerk stabil genug, um so etwas abzufangen.

Barbara Blum stepfolio Blog

 

Natürlich gibt es auch immer unvorhergesehene Rahmenbedingungen, die eintreten können oder Veränderungen, die auch nicht überwindbar sind. Aber oft ist es so, dass wenn man gut geplant hat und verschiedene Fälle durchgespielt hat, man solche Störfaktoren vorher schon identifizieren kann und man dann entweder den Prozess gar nicht erst anfängt oder sich andere Ziele setzt.

Natürlich bleibt ein Restrisiko, dass es nicht funktioniert – aber das besteht immer.

Ein Faktor, der auch immer wichtig mitzudenken ist, ist dieses tiefe Tal-Phänomen. Das heißt, zu Beginn eines Netzwerkes sind alle Feuer und Flamme und starten mit einer hohen Motivation durch. Darauf folgt eine Art Durststrecke, in der alle Partner viel reininvestieren, sich die Erfolge aber erst zeitverzögert irgendwann später einstellen. Da muss man durchhalten und sich auch gegenseitig immer wieder motivieren, bis es wieder stetig bergauf geht.

Barbara Blum Netzwerken 2

Wenn ein Netzwerk diesen Prozess einmal durchlaufen hat, dann ist es sehr stabil. Dann kann ihm eigentlich kaum noch etwas passieren. Dann kann dieses Netzwerk danach auch noch weitere und ambitionierte Projekte angehen. Aber es ist wichtig, sich das alles vorher bewusst zu machen, damit man dann gerade in dieser Tal-Phase nicht aufgibt.

 

 

Ich bedanke mich bei Ihnen, Frau Blum, für Ihre ausführlichen Antworten zum Thema Netzwerken!

Nach den beiden Interviews mit Herrn Kierstan und Frau Blum vom DKJS habe ich im nächsten Netzwerk-Interview eine andere Perspektive auf die Thematik. Bleiben Sie gespannt!

 
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